SPD-Kanzlerkandidat im Blickpunkt Peer Steinbrück und die Frauen

Berlin · Peer Steinbrück hatte keinen einfachten Start. Die Affären um Redner-Honorare hat viele Stammwähler der SPD zumindest irritiert. Der Kanzlerkandidat kämpft zudem gegen sein Chauvi-Image. Dabei lebt er privat mit einer emanzipierten Ehefrau.

Gertrud Steinbrück scheut das Rampenlicht
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Auf diese Frage reagiert Peer Steinbrück genervt: Wie er denn nun sein Image bei den Frauen verbessern will, wird Steinbrück in einer Runde mit Journalisten gefragt. "Indem ich nicht geschauspielert auf Anschmeiße gehe", blafft er.

Der SPD-Kanzlerkandidat trägt das Image mit sich herum, dass er mit seiner kantigen, gelegentlich überheblichen Art bei den Frauen nicht ankommt. Die Meinungsforscher bestätigen dies aber nur in Teilen. "Es gibt eine leichte Tendenz, dass Steinbrück bei Männern besser ankommt als bei Frauen", sagt Matthias Jung, Chef der Forschungsgruppe Wahlen. Sein Umfrage-Institut erstellt seit Jahrzehnten das "ZDF-Politbarometer". "In unseren Umfragen liegt er bei den Frauen zwei bis drei Prozentpunkte schlechter als bei den Männern."

"Nicht nachvollziehbar"

Angesichts des ohnehin deutlichen Unterschieds zwischen Kanzlerin Merkel und ihm, der bei 54 Prozent Zustimmung zu nur 36 Prozent Zustimmung liege, sei "die Fokussierung auf das geschlechtsspezifische Kriterium nicht nachvollziehbar", sagte Jung.

Die Vorbehalte der Frauen gegen Steinbrück richten sich offensichtlich eher auf seine Persönlichkeit als auf seine politischen Fähigkeiten. So hat das Umfrageinstitut Infratest Dimap herausgefunden, dass nur jede dritte Frau gerne einmal mit dem Kanzlerkandidaten der SPD essen gehen möchte. Bei den Männern sind es allerdings auch nur 44 Prozent.

Bei der Frage, wer Steinbrück die Kanzlerschaft zutraut, sieht die demoskopische Welt schon wieder anders aus: Die Umfrage-Experten von Emnid fanden Anfang Dezember heraus, dass 47 Prozent der Frauen, aber nur 35 Prozent der Männer ihm den Posten des Regierungschefs zutrauen. Das sind insgesamt Ergebnisse, die man im Willy-Brandt-Haus für verbesserungswürdig hält. Ein ausgemachtes Frauenproblem lässt sich daraus aber nicht erkennen.

Zwei Frauen könnten helfen

Dennoch weiß Steinbrück, dass er bei der weiblichen Wählerschaft nachlegen muss, wenn er im September 2013 tatsächlich eine Chance aufs Kanzleramt haben möchte. Dabei könnten ihm zwei Frauen behilflich sein, die einfach durch ihre Existenz widerlegen, dass Steinbrück dieser Chauvi ist, als der er gelegentlich dargestellt wird.

An erster Stelle steht seine Ehefrau Gertrud, Mutter der drei gemeinsamen erwachsenen Kinder. Während ihr Mann vom Beamten zum Spitzenbeamten bis hin zu höchsten politischen Ämtern Karriere machte, arbeitete sie als Gymnasiallehrerin und zog die drei Kinder groß. Die Frau an seiner Seite ist selbstbewusst, emanzipiert und resolut. Als Frau des möglichen künftigen Bundeskanzlers sieht sie sich keineswegs in der Rolle des Beiwerks. Ihr Vorbild ist eher der Ehemann der Kanzlerin. "Herr Sauer macht es gut", sagte sie der "Welt". Er halte sich zurück und suche selten bis nie die öffentliche Bühne. "Dafür habe ich großen Respekt." Steinbrücks Frau könnte sogar für einen neuen, modernen Typ der Politiker-Gattin stehen. Das Lob für Joachim Sauer kommt hinter vorgehaltener Hand besonders häufig von Politiker-Frauen mit eigenem Job.

Gegengewicht zur breitbeinigen Entourage

Steinbrück hat neben seinen vielen männlichen Beratern auch seine Büroleiterin Sonja Stötzel ins Wahlkampf-Team geholt. Mit ihrer ruhigen und diskreten Arbeitsweise gilt sie als Gegengewicht zu der übrigen, eher breitbeinig auftretenden Entourage.

Und dann ist da noch Andrea Nahles, die Generalsekretärin und Wahlkampfmanagerin der SPD, die genauso polternd auftreten kann wie das männliche Spitzenpersonal in ihrer Partei. Nachdem Steinbrück kurz nach Ausrufung zum Kanzlerkandidaten uncharmant und undiplomatisch öffentlich bekundet hatte, dass sein Leben ohne Nahles genauso reich wäre, musste er sich prompt entschuldigen. Mittlerweile sagt er öffentlich nur noch nette Dinge über sie.

Nahles genießt die Demut

Nahles wiederum genießt die neue Demut des Kandidaten. "Frauen sind sehr sensibel dafür, ob man nur ihre Stimme will oder wirklich für ihre Anliegen kämpft", erklärte Nahles bei einer Veranstaltung der SPD-Frauen im Willy-Brandt-Haus vom Podium dem Kanzlerkandidaten, der im Publikum saß.

Am Ende kann der Kandidat Peer Steinbrück der "Anschmeiße" doch nicht widerstehen. Bei seiner Bewerbungsrede auf dem Parteitag versprach er für den Fall seiner Wahl zum Regierungschef, eine Staatsministerin für Gleichstellung im Kanzleramt installieren zu wollen.

Wahlforscher Jung ist skeptisch, ob diese Form des Werbens zum Ziel führt: "Mit seiner so frühen Ankündigung zeigt Steinbrück, dass er sein Image bei den Frauen selbst als Problem sieht."

(qua)