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Peer Steinbrück, glücklicher Verlierer in einer unglücklichen Partei

Ex-Kanzlerkandidat mit neuem Buch : Peer Steinbrück, glücklicher Verlierer in einer unglücklichen Partei

"Vertagte Zukunft" heißt das neue Buch des ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, das am heutigen Mittwoch erscheint. Das Werk macht ihn zu einer wichtigen Stimme aus dem Off für seine Partei.

Lange war es still um Peer Steinbrück. Der krachend gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat von 2013 hatte noch vor der Wahl angekündigt, im Fall einer Niederlage seine Spitzenämter niederzulegen. Steinbrück war schlau genug, sich daran zu halten. Ein Jahr lang war kaum etwas zu hören von ihm. Jetzt ist er auch in der Öffentlichkeit rehabilitiert, wenn auch nur als Hinterbänkler der SPD-Fraktion.

Denn sein neues Buch "Vertagte Zukunft", mit dem der scharfzüngige Hamburger bis August durch die Republik und bis nach Zürich tourt, macht ihn zu einer wichtigen Stimme aus dem Off für seine Partei. Es ist pointiert, es ist für Programmatiker in der SPD harte Kost und es ist selbstkritisch. Bei der Buchpräsentation am Dienstagabend in Berlin kam es deswegen sehr gut an. Seine Anhänger haben ihn wieder, den alten Steinbrück, dieses Mal ohne Parteikorsett. Steinbrück schwingt sich damit in der Rolle als glücklicher Verlierer auf, in einer mit sich selbst zutiefst unglücklichen Partei.

Stagnation in den Umfragen

Seit Monaten stagniert die SPD in Umfragen auf dem mageren Niveau ihres Wahlergebnisses von 25,7 Prozent. Das sorgt allmählich für Nervosität an Basis und Parteispitze. Und die etwa ein Jahr währende Harmonie hinter dem Vorsitzenden Sigmar Gabriel bekommt schon seit Längerem Sollbruchstellen: Da ist wieder der Streit zwischen den Befürwortern der Gabriel‘schen Wirtschaftsfreundlichkeit und dem linken Flügel, der etwa gegen das Freihandelsabkommen TTIP ätzt.

Andersherum stehen konservative Sozialdemokraten vor allem den Gesetzen aus dem Hause von Arbeitsministerin Andrea Nahles kritisch gegenüber. So auch Steinbrück, der die (von ihm selbst mitgetragenen) Rentenpakete der Bundesregierung als pures Gift für künftige Generationen geißelt. Die Rente mit 63 und die Mütterrente gehören für zwei Jahre ausgesetzt, die Einsparungen investiert in Bildung und Infrastruktur, findet Steinbrück. In der SPD ist man selbstverständlich wenig angetan von einem solchen Vorschlag, das ist noch milde ausgedrückt.

Beratertätigkeit in der Ukraine

Trotzdem kann die SPD froh sein, dass sie einen klugen und charismatischen Hinterbänkler wie Steinbrück hat. Sie muss mit ihm nicht mehr rechnen, muss ihn nicht mehr einplanen. Er selbst sagt zur Frage, warum man nur noch gelegentlich von ihm hört: "Ich habe eine Wahl verloren und ich bin auch nicht mehr der Jüngste." Traurig klingt der 68-Jährige dabei aber nicht. Vielmehr so, als habe er es sich jetzt bequem gemacht in der hinteren Reihe.

Er hat vor allem außenpolitisch ein paar Beschäftigungsfelder (deutsch-amerikanische Parlamentariergruppe, Beratertätigkeit in der Ukraine) er kann kritisieren, kann konstruktive Vorschläge machen. Und Steinbrück ist angepasst genug, um der Partei oder ihrer Spitze nicht absichtlich schaden zu wollen.

Er ist jedoch auch kritisch und analytisch scharfsinnig genug, als dass die Partei auf seine Meinung zumindest hören sollte. Denn wer bei 25 Prozent stagniert und noch kein Rezept gefunden hat, um die 30-Prozent-Marke zu erreichen, muss sich harte Kritik gefallen lassen und angebrachte Einwürfe — auch aus hinteren Reihen — anhören.

Hier geht es zur Infostrecke: Die besten Zitate von Peer Steinbrück

(jd)