Paul Ziemiak neuer Chef der Jungen Union

Unionsnachwuchs wählt Mißfelder-Nachfolger : Paul Ziemiak neuer Chef der Jungen Union

Paul Ziemiak führt nun die Junge Union, die mit 117.000 Mitgliedern größte politische Jugendorganisation Deutschland. Der Parteinachwuchs von CDU und CSU entschied sich am späten Freitagabend in einer Kampfabstimmung klar mit 196 zu 115 Stimmen gegen seinen Mitbewerber Benedict Pöttering.

Ziemiak, zugleich Landesvorsitzender der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen, hatte nach den Verhandlungen zwischen den großen Verbänden bereits rechnerisch vorne gelegen. Den "Rest" erledigten die Kandidaten bei ihren Vorstellungsreden.

Pöttering inszenierte sich als Herausforderer und Gegenspieler von Bundeskanzlerin Angela Merkel und suggerierte gleich zu Beginn seiner mehr als halbstündigen Rede, dass Deutschland bis 2030 ruiniert sei, wenn sich die Junge Union nicht für seinen Politik-Entwurf entscheide. Mit vielen Kunstpausen versuchte der 31-Jährige rhetorisch zu punkten und beschäftigte sich häufig mit sich selbst und seiner "15.000-Kilometer-Basis-Tour".

Dabei trug er immer wieder dick auf: "Bei den Problemen, die vor uns liegen, brauchen wir wir wieder eine echte Demokratie." Klar und mutig wolle er die Positionen der JU vertreten. So sei die Einführung der Rente mit 63 ein "fatales Signal" gewesen. "Wenn Ihr jemanden sucht, der weiß, wie Azubis und Realschüler ticken, dann bin ich Euer Mann", stellte Pöttering heraus. Die Junge Union brauche ein neues Selbstverständnis und neues Selbstbewusstsein.

Lebhaften Applaus erntete Pöttering mit der Ankündigung: "Wir sollten die Auseinandersetzung mit der AfD jetzt beginnen, wir haben schon zu lange damit gewartet." Für die ersten hundert Tage nach seiner Wahl versprach er unter anderem die Einführung von Mitgliederbefragungen und eines Delegierten-Netzwerkes. Sein Ziel sei es, darauf hinzuarbeiten, dass die Nachfolger an der JU-Spitze auch in 50 Jahren noch sagen könnten: "Wir sind die größte politische Jugendorganisation der Welt."

Mit deutlich weniger als der Hälfte der Zeit kam Ziemiak bei seiner Vorstellungsrede aus. Er steuerte sofort auf Inhalte zu, geißelte ebenfalls die Rente mit 63 und mischte den Saal mit Wahlkampfrhetorik auf. Dabei inszenierte er sich wiederholt als Hardliner ("Gegen die Scharia helfen keine Integrationskurse, sondern Die größere Bereitschaft Pötterings, während des monatelangen Wettstreits zu Interviews zur Verfügung zu stehen, kommentierte Ziemiak mit der Anspielung: "Ich bewerbe mich als Bundesvorsitzender und nicht als Pressesprecher." Auch er setzte auf Widerstand, allerdings nicht gegen Merkel, sondern gegen Putin. In der Energiepolitik müsse Europa mit einer Stimme sprechen "und den Herren im Kreml sagen: wir lassen uns nicht erpressen".

Lebhafte Zustimmung erntete Ziemiak auch mit seiner Solidarität mit Bundeswehrsoldaten. Wenn diese in Afghanistan für Deutschland kämpften, sollten sie nicht auch noch um einen Kindergartenplatz für ihre Kinder in Deutschland kämpfen müssen. Wenn Pazifisten Soldaten beschimpften, bekomme er eine "Riesenwut im Bauch". Aus Sicht Ziemiaks habe sich die JU zu entscheiden, ob sie ein "professioneller Haufen" sein wolle, der "in Berlin gut vernetzt" sei, oder ob sie eine Botschaft aussenden wolle.

An dieser Stelle warb Ziemiak mit seiner Vita, In Stettin geboren, als Dreijähriger mit den Eltern nach Deutschland gekommen, empfinde er große Dankbarkeit, an diesem Abend vor dem Deutschlandtag für den Vorsitz der Jungen Union kandidieren zu dürfen. Genau diese Botschaft müsse die Junge Union senden: "Wenn Du es willst, kannst Du es schaffen."

Die Delegierten taten es. Mit dem eindeutigen Votum von 63 zu 37 Prozent. Doch in den Stunden zuvor war ein starker Riss zwischen den beiden Lagern zu spüren geworden. Der mit stehenden Ovationen nach zwölf Jahren im Amt verabschiedete Vorgänger Philipp Mißfelder hatte für die Stunden nach der Wahl die Hoffnung geäußert, dass "genug Bier da ist, damit wir die Gräben zuschütten können".

(RP)