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Patientenschützer fordern Pflege-Radar für Seniorenheime

Wegen Corona-Fällen : Patientenschützer fordert Pflege-Radar für Seniorenheime

Wie viele Pflegeheime kämpfen mit Corona-Ausbrüchen? Werden die Pflegebedürftigen noch in die Krankenhäuser gebracht? Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, fordert die Stiftung Patientenschutz ein neues Instrument.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat sich besorgt über die Situation der Pflegebedürftigen in der aktuellen Omikron-Welle gezeigt. Stiftungs-Vorstand Eugen Brysch sagte unserer Redaktion: „Warum so viele hochbetagte, infizierte Menschen die Krankenhäuser nicht erreichen, bleibt nebulös. Im Mittel liegt das Alter der Corona-Intensivpatienten bei unter 70 Jahren. Gleichzeitig sind mehr als 60 Prozent der Corona-Toten älter als 80 Jahre.“

Um künftig bessere Daten zur Verfügung zu haben, fordert der Patientenschützer ein neues Register. „Trotz dieser widersprüchlichen Fakten, fehlt weiterhin ein Pflege-Radar, vergleichbar mit dem DIVI-Intensivregister für Kliniken. Somit sind keine Aussagen darüber möglich, wie viele Pflegeheimbewohner und Pflegekräfte infiziert, genesen sowie im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind“, sagte Brysch. Er beklagte, dass auch die Öffentlichkeit über das Infektionsgeschehen in einem Heim „nur zufällig“ erfahre, etwa durch Journalisten oder Angehörige. „Bund und Länder sorgen hier nicht für Aufklärung und verschleiern so das wirkliche Ausmaß der Pandemie in der Altenpflege“, kritisierte Brysch.

Kann es an Kapazitätsengpässen liegen, dass Hochbetagte nicht mehr in Krankenhäuser eingeliefert werden? Diese Mutmaßung weist der Intensivmediziner Christian Karagiannidis zurück. „Es ist nicht so, dass hochbetagte Menschen aus Kapazitätsgründen nicht mehr im Krankenhaus versorgt werden. Die meisten Pflegebedürftigen, die mit Corona aus den Heimen ins Krankenhaus kommen, landen auf den Normalstationen“, sagte Karagiannidis, der auch Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung und wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters ist. „Ihre Überlebenschancen sind leider nicht sehr hoch. Viele sterben dort und nicht in einem friedlicheren Umfeld im Heim oder zu Hause“, so Karagiannidis. „Die Praxis, dass hochaltrige, bettlägrige Patienten mit vielen Vorerkrankungen in die Krankenhäuser gebracht werden, war auch schon vor der Pandemie begrenzt sinnvoll. Für viele dieser Menschen gibt es dort kaum Heilungschancen“, betonte er.

Karagiannidis betonte unterdessen die Gefahr durch Omikron insbesondere für Ungeimpfte. „Auch wenn Omikron in der Regeln mildere Krankheitsverläufe verursacht als die Delta-Variante, bleibt es vor allem für Ungeimpfte ein gefährliches Virus. Mit Deutschland vergleichbare Daten aus New York zeigen, dass 90 Prozent der dort mit Omikron infizierten Krankenhausfälle ungeimpft sind“, sagte er. Besonders dramatisch könne in Deutschland die Lage auf den Normalstationen werden, wenn die Fallzahlen weiterhin so durch die Decke gingen. Karagiannidis forderte vor dem Hintergrund bessere Daten zum Vorkommen von Corona bei Krankenhauspatienten. „Wir brauchen endlich ein Monitoring, das wie das Intensivregister zuverlässig die mit Corona infizierten Krankenhauspatienten erfasst. Bislang ist das ein nicht hinnehmbarer Blindflug, den wir uns nicht länger leisten können. Da muss die Bundesregierung schnell Abhilfe leisten“, sagte er.