Politiker wollen Bürohunde im Bundestag Auf den Hund gekommen

Berlin · Einige Bundestagsabgeordnete wünschen sich, ihre Vierbeiner künftig mit zur Arbeit nehmen zu dürfen. Was der Deutsche Bundestag dazu sagt und welche Hunde man schon bald im Reichstagsgebäude sehen könnte.

Jens Beeck (FDP), Vorsitzender des „Parlamentskreis Hund", mit dem befreundeten Hund Lenny, einem Schäferhund-Zwergspitz Mischling, in Berlin.

Jens Beeck (FDP), Vorsitzender des „Parlamentskreis Hund", mit dem befreundeten Hund Lenny, einem Schäferhund-Zwergspitz Mischling, in Berlin.

Foto: FDP

Streicheleinheiten im stressigen Alltag und Gassi-Runden in der Mittagspause – nicht nur in deutschen Unternehmen sind Bürohunde ein viel diskutierter Wunsch. Auch einige Bundespolitiker wollen ihren Hund bei der Arbeit nicht missen. Rund 80 Abgeordnete und Mitarbeitende des Bundestags haben dazu den „Parlamentskreis Hund“ gegründet. „Das Anliegen des Parlamentskreises ist es, die Aufmerksamkeit auf die Frage zu richten, ob es noch zeitgemäß ist, dass in den Büroräumen der Abgeordneten keine Bürohunde zugelassen sind“, sagt der Vorsitzende Jens Beeck. Sein Argument: „Es gibt hinreichende Studien, die eine Reduzierung des Stresslevels im Büro durch Anwesenheit eines Bürohundes belegen“, so Beeck. Auch für Assistenzhunde im Bereich von PTBS-Betroffenen sei das seit langem unstrittig.

Derzeit ist Hunden der Zutritt in den Deutschen Bundestag noch nicht erlaubt. In der Hausordnung heißt es: „Das Mitbringen von Fahrrädern, (Elektro-)Rollern und Tieren – ausgenommen Blindenführhunde und Diensthunde, die im Auftrag der Polizei beim Deutschen Bundestag eingesetzt werden – ist nicht gestattet.“ Ob eine Änderung der Hausordnung zugunsten von Bürohunden derzeit angedacht ist, teilte man nicht mit.

Aber sollten Hunde ausgerechnet durch den Bundestag laufen – dort, wo täglich wichtige politische Entscheidungen getroffen werden? Markus Beyer, Vorsitzender des Bundesverbandes Hund, sieht darin kein Problem. Im Gegenteil: „Insbesondere für Personen aus Wirtschaft und Politik, die unter hohem Entscheidungsdruck stehen und häufig Entscheidungen treffen müssen, kann die Nähe zu einem Bürohund von großem Nutzen sein“, sagt er. Durch das Streicheln werde das stressreduzierende Hormon Oxytocin freigesetzt und das Resilienzpotenzial der Belegschaft erhöht. Bei den Hunden reduziere es wiederum Trennungsängste.

Schon bald will der Parlamentskreis Hund mit dem Präsidium in den Austausch treten. Größere Aktionen sind für das Jahr 2024 geplant. Bis Beeck & Co. mit ihren Vierbeinern durch den Bundestag laufen, dürfte es aber noch eine Weile dauern.

Hätte die Gruppe Erfolg, könnten bald jede Menge Vierbeiner durch das Bundesgebäude laufen. Zum Beispiel Jack-Russell-Terrier Samy, laut seiner Besitzerin Susanne Ferschl, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken, „der tollste Hund der Welt“. Oder Leni, der Hund von Unionsfraktionsvize Andrea Lindholz. Leni ist sechs Jahre alt und ein Ratonero Bodeguero Andaluz, auch „spanischer Mäusefänger“ genannt. Seit 2018 gehöre sie zur Familie und sei „nicht mehr wegzudenken. Selbstverständlich wäre es mir nicht in jeder Sitzungswoche möglich, Leni mit nach Berlin zu nehmen“, sagt Lindholz. „Gerne hätte ich aber die Möglichkeit, an weniger arbeitsintensiven Tagen Leni auch einmal mit in mein Büro im Deutschen Bundestag zu bringen.“ In ihrem Wahlkreisbüro in Aschaffenburg sei der Hund bereits regelmäßig mit dabei.

Die Bundesminister hingegen sind noch nicht so wirklich auf den Hund gekommen. Justizminister Marco Buschmann (FDP) ließ auf Anfrage unserer Redaktion ausrichten, er möge „Hunde zwar sehr gerne, hat aber selbst keinen“. Auch Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat keinen ‚echten‘ Hund, wie sein Büro auf Anfrage berichtet. „Er hat allerdings Hundeskulpturen von Ottmar Hörl in seinem Büro – zehn schwarze und einen silbernen Mops. Ein Kunstwerk, das ihn schon seit Jahren begleitet und das er vor allem wegen der Gespräche mag, die darüber entstehen.“ Na, was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Amira Mohamed Ali, ist zwar ebenfalls keine Hundebesitzerin, begrüßt aber, dass das Thema nun im Bundestag angelangt sei. „Ich bin überzeugt, dass Hunde in Büros und anderen Einrichtungen gut für die Stimmung am Arbeitsplatz und eine Bereicherung für ein Team sein können“, so die Politikerin. „Deswegen bin ich dafür, dass die Integration von Hunden in das Arbeitsumfeld ermöglicht wird.“

Doch wer erledigt die Gassi-Runden, wenn es einmal hektisch wird? Beyer empfiehlt für diese Fälle eine sogenannte Patenlösung: „Eine Person im Büro wird als Pate bestimmt und übernimmt in bestimmten Momenten die fürsorgliche Verantwortung für den Hund.“ Vielleicht zieht Hunde-Fan Buschmann also schon bald seine Runden mit Hündin Leni durch Berlin.