Renten auf Hartz-IV-Niveau: Ostdeutschland droht massive Altersarmut

Renten auf Hartz-IV-Niveau: Ostdeutschland droht massive Altersarmut

Berlin (RPO). Die Altersbezüge in Ostdeutschland werden nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für künftige Rentner massiv sinken. Für einen Großteil der Arbeitnehmer, die ab Ende des nächsten Jahrzehnts in den Ruhestand gingen, werde die gesetzliche Rente unter der Grundsicherung von 600 Euro liegen, ergab eine am Mittwoch in Berlin vorgelegte DIW-Studie.

Im Westen können Männer dagegen mit relativ stabilen Zahlungen, Frauen sogar mit einem leichten Plus rechnen. Die Gewerkschaften forderten Reformen am Arbeitsmarkt und im Rentensystem. Das Arbeitsministerium meldete Zweifel an der DIW-Berechnung an.

Das Institut macht vor allem die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern und die Absenkung des Rentenniveaus für den erwarteten Rückgang der Altersbezüge im Osten verantwortlich. Im Rahmen eines von der Deutschen Rentenversicherung geförderten Forschungsprojekts untersuchte das DIW, wie sich die Rentenreformen und die Entwicklung am Arbeitsmarkt auf die Rentenzahlungen auswirken.

Demnach können westdeutsche Männer mit einer relativ stabilen Rentenhöhe rechnen: Die jüngste Gruppe der Geburtsjahre 1967 bis 1971 erreicht mit 1090 Euro immer noch gut 90 Prozent des Betrags der ältesten Vergleichsgruppe (1937 bis 1941). Für westdeutsche Frauen sagen die Experten langfristige Verbesserungen auf niedrigem Niveau voraus. Bekommen Frauen der älteren Jahrgänge derzeit im Schnitt 449 Euro, erhalten die jüngeren Jahrgänge vermutlich fast 600 Euro.

"Die Entwicklung in Ostdeutschland ist dagegen zum Teil dramatisch", sagte Studienleiter Viktor Steiner. Demnach bekommen die älteren ostdeutschen Jahrgänge heute im Schnitt noch 900 bis 1000 Euro Rente überwiesen. Für die jüngeren (Geburtsjahre 1962-1971) werden die Altersbezüge dagegen bei rund 600 Euro liegen. Unterteilt nach Geschlecht bedeutet dies: Bei Männern sinkt der Betrag von 886 auf 594 Euro, bei Frauen von 646 auf 466 Euro - und damit deutlich unter das Niveau der Grundsicherung von 600 Euro.

Als Grund nannte Steiner, dass die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland seit Beginn der 90er Jahre deutlich höher liegt als in Westdeutschland. Zudem gebe es dort mehr Beschäftigte in schlechter bezahlter Teilzeit und in Minijobs. Unterschiede zeigten sich auch bei den Bildungsabschlüssen.

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In Gesamtdeutschland wird es der Studie zufolge vor allem für gering Qualifizierte mit häufigen Erwerbsunterbrechungen schwieriger, das Rentenniveau zu halten. Laut DIW verstärkt der in die Rentenformel eingeführte demografische Faktor den Rückgang der Renten zusätzlich.

Die Linksfraktion monierte, die Altersarmut von morgen sei eine direkte Folge der Rentenpolitik von heute. Daher müsse die Politik rasch gegensteuern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund erklärte, wenn die Politik nicht reagiere, würden Millionen von Menschen in Altersarmut gedrängt. Die Arbeitslosigkeit sei zu hoch, viele müssten inzwischen ohne Sozialversicherung arbeiten und zu Löhnen, von denen man kaum leben könne. "Das wirkt zusammen mit den Rentenkürzungen um bis zu 25 Prozent, die die Politik in den letzten Jahren beschlossen hat, wie eine Zeitbombe", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Der Sozialverband Volkssolidarität erklärte, die Studie bestätige die schlimmsten Befürchtungen. Die weitere Absenkung des Rentenniveaus müsse sofort gestoppt werden.

Eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums sagte dagegen, nach dem ersten Eindruck seien die Erkenntnisse des DIW nicht grundsätzlich neu. Die Studie beleuchte offenbar nur Teilaspekte der gesetzlichen Rente und vernachlässige andere Bereiche wie die Entwicklung der Einkommens-, Vermögens- und Wohnverhältnisse. Auch die anderen Säulen der Altersvorsorge wie die Riester-Rente würden außer Acht gelassen.

(RTR/sdr)