Ohne Not in die Notaufnahme

Studie : Jeder Dritte zieht Ambulanz der Arztpraxis vor

38 Prozent der Patienten würden grundsätzlich auch in die Notaufnahme gehen, obwohl Arztpraxen geöffnet hätten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Versorgung umkrempeln.

Immer wieder suchen Patienten bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf. Das bestätigt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse. Demnach würden 38 Prozent der Befragten grundsätzlich auch in die Notaufnahme gehen, obwohl Arztpraxen geöffnet hätten. Männer (43 Prozent) tun dies noch eher als Frauen (33 Prozent). Auch beim Alter gibt es Unterschiede. So steuert fast jeder zweite (46 Prozent) 18- bis 29-Jährige bei Beschwerden das Krankenhaus an. 50- bis 70-Jährige sind hier mit 31 Prozent zögerlicher.

Als Hauptgrund für den Gang in die Notaufnahme gaben die Befragten an, dass sie sich dort besser medizinisch versorgt fühlten (41 Prozent). Weitere Gründe waren beispielsweise die Überweisung des Hausarztes (25 Prozent) und die vermeintlich kürzeren Wartezeiten (24 Prozent).

Die Aussagen der Studie dürften die Debatte um eine Überbelastung der Notaufnahmen weiter befeuern. Die verstopften Ambulanzen sind seit Jahren ein Problem. Krankenhäuser klagen über Notfälle, die eigentlich keine seien. Doch wegschicken können Ärzte die Patienten nicht, sie müssen sie versorgen – egal, ob es sich tatsächlich um einen akuten Herzinfarkt handelt oder um langjährige Rückenschmerzen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Ambulanzen per Gesetz entlasten. In seinem Entwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz sieht Spahn die Stärkung der Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vor. Über diese können Patienten derzeit Termine bei Fachärzten erhalten. Die Servicestellen sollen mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, der unter der Rufnummer 116117 zu erreichen ist, verschmelzen. Die 116117 soll dann täglich 24 Stunden telefonisch und auch online erreichbar sein und nicht nur Termine bei Haus- und Kinderärzten, sondern in Akutfällen auch eine Versorgung entweder in einer geöffneten Arztpraxis oder in einer Notfallambulanz vermitteln.

Der bisherige ärztliche Bereitschaftsdienst ist den meisten Patienten auch bekannt, wie die Forsa-Umfrage zeigt. 78 Prozent wissen um diesen Service. Allerdings konnten nur 15 Prozent die Nummer 116117 korrekt angeben. Acht Prozent nannten nur einen Teil der Nummer oder eine andere, etwa die des Notrufes, die 112.

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