Özdemir zu ausgesetztem Getreideabkommen „Angesichts Millionen Hungernder unverantwortlich“

Exklusiv | Berlin · Russland setzt das Getreideabkommen mit der Ukraine aus. Damit wird der Export über das Schwarze Meer wieder unmöglich. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) fordert von Moskau eine Rücknahme der Entscheidung. Bei den Alternativrouten müsse jetzt ein „Gang hochgeschaltet“ werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) fordert ein Einlenken Russlands beim Getreideabkommen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) fordert ein Einlenken Russlands beim Getreideabkommen.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Das Abkommen war nach zähem Ringen zustande gekommen, jetzt hat es Russland ausgesetzt: Nach dem Rückzug aus der Vereinbarung zum Export von ukrainischem Getreide ist die Ausfuhr über das Schwarze Meer gestoppt worden. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) fordert von Moskau, das Abkommen wieder einzuhalten.

Özdemir sagte unserer Redaktion: „Russlands einseitiges Aussetzen des Getreideabkommens ist angesichts von weltweit Millionen Hungernden unverantwortlich.“ Russland sei daher dringend aufgerufen, „seiner vor der Weltgemeinschaft abgegebenen Verpflichtung gerecht zu werden und das Abkommen einzuhalten“.

Dank der Bemühungen der Vereinten Nationen habe seit dem Sommer wieder Getreide aus der Ukraine übers Schwarze Meer verschifft werden können. „Das hat zur Entspannung der globalen Märkte beigetragen und Millionen Menschen satt gemacht“, betonte der Minister.

Es sei allerdings damit zu rechnen gewesen, dass Moskau das Abkommen als Druckmittel missbrauche. „Es war daher richtig, dass wir schon frühzeitig auf die Etablierung dauerhafter Alternativrouten gedrängt haben. Die internationale Staatengemeinschaft ist auf allen Ebenen dringend aufgerufen, hier einen Gang hochzuschalten“, forderte Özdemir. Zur Begründung hatte das Verteidigungsministerium in Moskau erklärt: „Angesichts des vom Regime in Kiew unter Teilnahme britischer Experten ausgeführten Terroraktes gegen Schiffe der Schwarzmeerflotte und auch zivile Schiffe, welche an der Sicherung der Getreide-Korridore beteiligt sind, suspendiert Russland seine Teilnahme an der Umsetzung des Vertrages zum Export von Landwirtschaftsprodukten aus ukrainischen Häfen."

Es sei besonders zynisch, so Özdemir, dass der Kreml den geplatzten Deal nun damit begründe, „dass sich die von ihr überfallene Ukraine wehrt. Es zeigt aber auch, dass Russland durch den mutigen Freiheitskampf der Ukraine zunehmend unter Druck gerät.“

Unter Vermittlung der Türkei und der UN hatten sich Russland und die Ukraine im Juli auf die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreidelieferungen geeinigt.