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Ölembargo gegen Russland - Greenpeace hält Preisfolgen für „überschaubar“

Energieversorgung : Greenpeace hält Preisfolgen bei Ölembargo für „überschaubar“

Täglich rund 48 Millionen Euro hat Deutschland im Januar 2022 für russisches Öl gezahlt. Auf der europäischen Ebene ist ein Öl-Embargo noch immer umstritten, Greenpeace hält einen solchen Schritt aber für umsetzbar.

„Die deutsche Ölversorgung ist selbst bei einem Vollembargo russischen Öls weiterhin gesichert“, schreibt die Umweltorganisation Greenpeace in einem am Dienstag veröffentlichten Papier. Auch die Preisfolgen in Deutschland würden „bei geschickter Vorbereitung und Durchführung überschaubar bleiben“.

Zwar werde auch der Wegfall aus Einnahmen aus dem Ölgeschäft „die russische Kriegsmaschinerie nicht unmittelbar stoppen“. Die finanziellen Spielräume Moskaus würden jedoch „mittelfristig stark eingeschränkt“. Das Papier erstellte die Beratungsfirma EnergyComment im Auftrag von Greenpeace.

Demnach entfielen 2021 rund 60 Prozent der russischen Exporterlöse auf Gas- und Rohölexporte, im vierten Quartal 2021 lieferte Russland täglich eine halbe Million Barrel Rohöl nach Deutschland. Im Januar 2022 zahlte Deutschland täglich circa 48 Millionen Euro für russisches Öl, im Februar könnte dieser Betrag laut den Experten aufgrund der gestiegenen Rohölpreise bereits bei 50 bis 60 Millionen Euro gelegen haben. Insgesamt beliefen sich die russischen Einnahmen aus Ölexporten im Jahr 2021 auf knapp 179 Milliarden Dollar (rund 167 Milliarden Euro).

Sollte sich die EU doch noch zu einem Embargo gegen russisches Öl durchringen, so stünden Russland zwar verschiedene Optionen zur Verfügung, um auf die Einnahmeausfälle zu reagieren. „Keine davon löst jedoch die Probleme Moskaus“, heißt es in dem Papier. Geringe Kapazitäten in Zwischenlagern und technische Probleme bei einer Drosselung oder gar einer Unterbrechung der Ölförderung wären für Moskau laut Greenpeace „unangenehm und teuer“.

Die Folgen in Deutschland würden sich laut der Umweltschutzorganisation indes in Grenzen halten: Weltweit steige die Nachfrage nach Öl immer schwächer, trotz des drohenden Lieferausfalls aus Russland rechne die Internationale Energieagentur (IEA) mit keinem großen Angebotsdefizit in den kommenden Monaten. Die Ölbranche bereite sich zudem laufend auf die aktuelle Situation vor, viele kritische logistische Engpässe seien bereits beseitigt worden. All dies lasse vermuten, „dass die Ölpreise nach einem anfänglichen Schock bald wieder auf ihr aktuelles Niveau zurückkehren werden“, prognostizierte die Organisation.

Im März hatte Greenpeace bereits einen 10-Punkte-Plan zur Verringerung der Abhängigkeit Deutschlands von russischen Ölimporten vorgelegt.

(peng/AFP)