Treffen in Frankreich: Obama setzt sich bei Putin für Poroschenko ein

Treffen in Frankreich : Obama setzt sich bei Putin für Poroschenko ein

Zeichen der Entspannung beim Gedenktreffen in Frankreich: Auch US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatschef Wladimir Putin haben am 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie ein informelles Gespräch geführt.

Die Unterredung habe während des Mittagessens der Staats- und Regierungschefs stattgefunden, teilte das Weiße Haus am Freitag mit. Wegen des Ukraine-Konflikts war mit Spannung erwartet worden, ob beide Präsidenten miteinander Kontakt haben würden.

Erst Stunden später wurden Details über die Gesprächsinhalte bekannt. Obamas Sicherheitsberater Ben Rhodes teilte am Abend mit, Obama habe Putin zu einem Kurswechsel im Ukraine-Konflikt aufgefordert und Konsequenzen im Falle einer Weigerung angedeutet. Ohne eine "Deeskalation der Spannungen in der Ukraine" werde sich Russland auf internationaler Bühne "weiter isolieren".

Der US-Präsident forderte demnach die Anerkennung des gewählten ukrainischen Staatschefs Petro Poroschenko durch Moskau, das "Ende der Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine und einen Stopp sämtlicher Waffen- und Materiallieferungen über die Grenze" zum Nachbarland.

Obama habe Putin im persönlichen Gespräch verdeutlicht, dass die "erfolgreiche" Präsidentschaftswahl in der Ukraine am 25. Mai "eine Chance ist, die ergriffen werden muss", sagte Rhodes weiter. "Sollte Russland diese Chance ergreifen, die neue Regierung in Kiew anerkennen und mit ihr zusammenarbeiten", könnten möglicherweise auch bilaterale Spannungen im Verhältnis zwischen Moskau und Washington abgebaut werden, erläuterte Rhodes die Äußerungen Obamas weiter.

Bei den Gedenkfeiern in Frankreich kam es zu zahlreichen Gesprächen zwischen Putin und anderen Staatschefs. Für die Krise ist das ein Hoffnungszeichen, auf beiden Seiten besteht Gesprächsbereitschaft.

So kamen unter Beteiligung von Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande auch der russische Präsident Putin und der neu gewählte Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko zusammen. Das Treffen soll eine Viertelstunde gedauert haben. Wie der Kreml nach dem Treffen mitteilte, sprachen sich beide für ein rasches Ende des Blutvergießens in der Ukraine aus.

Die beiden unterhielten sich vor einem Mittagessen der geladenen Staats- und Regierungschefs im Schloss von Bénouville, wie am Freitag aus dem Umfeld Hollandes verlautete. Putin und Poroschenko hätten sich die Hände gegeben und sich "vollkommen normal unterhalten".

Es sei vereinbart worden, in den kommenden Tagen über "die Modalitäten eines Waffenstillstandes" zu beraten. Den Angaben zufolge waren auch Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei dem Treffen dabei.

Poroschenko war vor knapp zwei Wochen zum neuen ukrainischen Präsidenten gewählt worden, am Samstag wird er vereidigt.

Nach außen hin blieb die Stimmung eher kühl. Merkel und Putin tauschten sich etwa eine Stunde lang aus, Die Kanzlerin appellierte an Putin, seiner Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht zu werden. Die Zeit nach der ukrainischen Präsidentschaftswahl müsse genutzt werden, um eine Stabilisierung in der Ostukraine zu erreichen.

Beim öffentlichen "Familienfoto" gingen sich Obama und Putin noch demonstrativ aus dem Weg. Bei der Platzierung waren die beiden Staatschefs jeweils von Adligen eingerahmt.

Neben Obama nahmen für das Foto in der ersten Reihe die britische Königin Elizabeth II. und König Harald V. von Norwegen Aufstellung.

Putin wurde von Königin Margrethe II. von Dänemark und Großherzog Henri von Luxemburg eingerahmt. Beim Mittagessen im Schloss wurde eine ähnliche Sitzordnung beibehalten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel stand beim Foto schräg hinter Putin. Beim Auseinandergehen war Obama ins Gespräch mit Queen Elizabeth vertieft, während Putin und der französische Präsident François Hollande miteinander sprachen.

Zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie empfing Hollande Staats- und Regierungschefs aus Europa und Übersee zum Mittagessen auf Schloss Bénouville in der Nähe des Küstenortes Ouistreham.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So reagierten die Mächtigen des Westens auf Putin

(ap afp reu dpa)