Staatsanwalt ermittelt OB Sauerland: "Habe weiße Weste"

Duisburg · Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) weiß nicht genau, weswegen ihn die Staatsanwaltschaft Wuppertal beschuldigt. Dennoch sei er sicher, dass das Verfahren schnell eingestellt werde. Seine Parteifreunde stellten sich auf dem CDU-Kreisparteitag am Freitag geschlossen hinter ihn.

 Duisburgs OB zeigt sich unbeeindruckt von den Vorwürfen gegen seine Person.

Duisburgs OB zeigt sich unbeeindruckt von den Vorwürfen gegen seine Person.

Foto: dapd, Sascha Schuermann

Den Druck, der auf seinen breiten Schultern lastet, merkte man Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland Freitagabend auf dem Kreisparteitag der CDU nicht an. Während draußen vor der Versammlungshalle in Duisburg-Homberg die Polizei stand und Security-Kräfte die Eingangstür bewachten, wurde Sauerland im Saal von den 162 Delegierten mit minutenlangem Applaus gefeiert. Keine Pfiffe, keine Buhrufe. "Ich denke, es wird sich schnell klären, dass ich eine weiße Weste habe", sagte er.

Einen Tag, nachdem öffentlich bekanntgeworden war, dass die Wuppertaler Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Korruptionsverdachts ermittelt, gab sich Sauerland bei seiner Rede unbeeindruckt von den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen. "Ich kenne die konkreten Vorwürfe gegen mich noch nicht einmal. Erst morgen setze ich mich mit meinem Anwalt zusammen, der Akteneinsicht beantragt hat", sagte er.

Dennoch sei er sicher, dass das Verfahren gegen ihn schnell eingestellt werde. "Ich habe kein Geld eingesammelt oder angenommen." Ein unangenehmes Gefühl sei es trotzdem, von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigter geführt zu werden.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal, die schwerpunktmäßig Wirtschaftskriminalität bekämpft, ermittelt gegen Sauerland wegen des Verdachts, von einer unzulässigen Spende an die CDU gewusst zu haben. Am Mittwoch hatten Beamte der Staatsanwaltschaft ihn mit den Beschuldigungen konfrontiert und ihm seine Rechte verlesen.

Es geht um 38 000 Euro, die der Essener Projektentwickler Kölbl und Kruse möglicherweise in Erwartung lukrativer Immobilienprojekte im Kommunalwahlkampf 2009 an die CDU gezahlt haben könnte. Konkret geht es um den Bau des Landesarchivs und die Ausschreibung für das Eurogate-Projekt, einem geplanten Bürokomplex im Duisburger Innenhafen. In beiden Fällen erhielt Kölbl und Kruse den Zuschlag, das Gelände zu entwickeln.

Die CDU bestreitet nicht, die Spenden erhalten zu haben. "Aber die haben nichts mit Adolf Sauerland zu tun. Unser Oberbürgermeister ist nicht käuflich", sagte der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Mahlberg gestern. "Die Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen und entsprechen nicht der Wahrheit."

Dennoch kommen die Ermittlungen für Sauerland und seine Partei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, räumt auch Mahlberg ein. Denn die CDU befindet sich mitten im Wahlkampf. In wenigen Wochen, am 12. Februar 2012, stimmen die Duisburger Bürger über die Zukunft des Oberbürgermeisters ab, der seit der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten in der Kritik steht. Votiert eine Mehrheit von 92 000 Wahlberechtigten gegen ihn, verliert er sein Amt. Mahlberg bezeichnete das Verfahren als Farce.

"Das hat nichts mehr mit demokratischen Spielregeln zu tun — hier wird nur eine Hetzjagd auf Sauerland betrieben." Die CDU kündigte an, ihre Wähler aufzurufen, die Abwahl zu boykottieren. "Ich weiß, dass meine Partei zu 100 Prozent hinter mir steht", sagte Sauerland.

(RP/csi/rl)
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