Steuern: Nur jede vierte Familie profitiert vom Kinderfreibetrag

Steuern : Nur jede vierte Familie profitiert vom Kinderfreibetrag

Eltern wurden 2013 im Schnitt um 2500 Euro pro Kind entlastet. 40 Prozent der Alleinerziehenden nutzten den Extra-Freibetrag.

Ehepaare mussten im vergangenen Jahr mindestens 63.486 Euro versteuern, wenn sie vom Kinderfreibetrag profitieren wollten. Ledige Mütter oder Väter kamen ab einem Einkommen von 33.476 Euro in den Genuss des Kinderfreibetrags, der eine höhere Entlastungswirkung hat als das Kindergeld. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Im Schnitt entlastete der Kinderfreibetrag Ehepaare mit einem Kind im Jahr 2013 um 2466 Euro. Bei zwei Kindern gab es eine Steuerentlastung von 5275 Euro, bei drei Kindern von 8218 und bei vier Kindern von 11 591 Euro.

Nach den Daten des Finanzministeriums profitierten 2013 insgesamt 2,844 Millionen Steuerpflichtige vom Kinderfreibetrag. Damit erreichte nur jeder vierte Elternteil die Einkommensschwelle, ab der der steuerliche Kinderfreibetrag wirkt. Drei Viertel aller Mütter und Väter waren dagegen allein auf das Kindergeld angewiesen.

Nur gut eine Million der insgesamt 2,7 Millionen Alleinerziehenden oder 40 Prozent nahmen 2013 den sogenannten Entlastungsbetrag in Anspruch. Dieser Extra-Freibetrag brachte Alleinerziehenden 2014 im Schnitt eine Entlastung von 354 Euro, so das Papier. Erwerbstätige Eltern können weitere Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen. "Die im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung erklärten erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten erwerbstätiger Ehepaare betragen durchschnittlich 1440 Euro", heißt es in der Antwort.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) prüft derzeit den Spielraum für eine Anhebung des Kinderfreibetrags und des Kindergeldes. Der neue Existenzminimumbericht, den das Kabinett Ende Januar billigen soll, sieht im Entwurf für 2015 einen um 144 Euro höheren Kinderfreibetrag vor. Er liegt derzeit noch bei 7008 Euro. Auch das Kindergeld dürfte um einige Euro pro Kind und Monat steigen. Vor allem das wird teuer: Schon eine Kindergeldanhebung um fünf Euro kostet Schäuble eine Milliarde Euro.

"Mit der Ankündigung, Kindergeld und Kinderfreibeträge rasch zu erhöhen, verschleiert der Finanzminister, dass er für das letzte Jahr eine rückwirkende Anhebung des Kindergelds um 24 Euro verweigert", sagte Grünen-Politikerin Lisa Paus. "Dies geht zulasten von Familien mit wenig Einkommen, denn von der rückwirkenden Erhöhung der Kinderfreibeträge profitieren sie nicht", sagte Paus. Schäuble müsse jetzt "insbesondere die Alleinerziehenden mit wenig Einkommen entlasten". Es reiche nicht, nur den Entlastungsbetrag anzuheben.

(mar)
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