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NSA & BND-Doppelagent: Dan Hamilton bezeichnet Deutsche als naiv

Transatlantik-Experte : "Glaubt Deutschland, nur die USA spionieren?"

Die Deutschen verhalten sich in der neuen Spionageaffäre naiv. Das sagt der Transatlantik-Experte Dan Hamilton im Interview. CDU-Politiker gehen davon aus, dass die US-Geheimdienste Deutschland auch weiter ausspionieren werden.

"Ernsthaft, glauben sie wirklich, dass die Amerikaner die einzigen sind, die (Bundeskanzlerin Angela Merkels) Handy abhören?", sagte der Direktor des Thinktanks Center for Transatlantic Relations. Das unsichere Kanzlerhandy sei eine "laufende Telefonkonferenz", weil jeder es abhöre. "Es könnte ein Verstoß gegen deutsches Recht sein, dass die Kanzlerin solch eine unsichere Telefonleitung hat. Aber niemand traut sich, ihr das zu sagen", sagte der Direktor des Thinktanks in Washington.

Die empörte Reaktion der Deutschen auf die Affäre habe auch mit der Nachkriegsgeschichte zu tun. "Die USA waren Deutschlands größter Verbündeter und Freund." Deutschland habe sich so lange auf die USA verlassen. Nun sei eine bereits vorhandene Wunde - die Enthüllungen rund um die US-Geheimdienst NSA - neu aufgerissen worden.

Politiker erwarten weitere Spionage-Aktionen

Führende CDU-Außenpolitiker gehen offenbar davon aus, dass die USA ihre Spionage in Deutschland beibehalten werden. Sowohl der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen, als auch der außenpolitische Sprecher Philipp Mißfelder sagten am Mittwoch, sie rechneten nicht mehr damit, dass die US-Regierung ihre Praxis ändere. "Wenn man die Rede von US-Präsident Obama zu den Snowden-Veröffentlichungen noch mal genau sich anhört oder durchliest, dann hat er ja überhaupt keine substanzielle Veränderung angekündigt", sagte Röttgen im Deutschlandfunk.

Er plädierte dafür, den USA nicht mehr uneingeschränkt zu trauen, da dieses Vertrauen in Deutschland auch nicht bestehe. Mißfelder, der derzeit zusammen mit anderen Bundestagsabgeordneten Washington besucht, teilte über Twitter mit, dass er "sehr, sehr skeptisch bei konkreten Zusagen" sei.

Es gebe keinerlei Signal, dass die Amerikaner ihr Verhalten änderten. Mißfelder sprach von langfristigen Schäden in den transatlantischen Beziehungen. Ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendiensts steht im Verdacht, dem US-Geheimdienst CIA Unterlagen aus dem NSA-Untersuchungsausschuss übergeben zu haben. Röttgen lehnte eine deutsche Gegenspionage in den USA ab. "Das macht ja keinen Sinn, wenn wir das, was ich als Dummheit der USA mit außenpolitischem Schaden betrachte, dann selber machen."

(dpa)