31-Jähriger diente sich auch Russen als Spion an: NSA-Spitzel - Motiv Geltungssucht

31-Jähriger diente sich auch Russen als Spion an : NSA-Spitzel - Motiv Geltungssucht

Nach und nach werden Einzelheiten über den Mann bekannt, der den NSA-Ausschuss bespitzelte. So soll er von sich aus tätig geworden sein - mit einer E-Mail an die US-Botschaft. In Österreich sei es später zu drei Treffen und der Übergabe von Geld gekommen sein.

Ein ranghoher Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) hat laut einem Zeitungsbericht bestätigt, dass ein BND-Agent illegal für einen US-Geheimdienst tätig war.

"Alle Indizien sprechen dafür, dass er für die Amerikaner gearbeitet hat", zitierte die "Frankfurter Allgemeine am Sonntag" (F.A.S) einen Sicherheitsbeamten. Der 31-Jährige soll sich nach übereinstimmenden Berichten auch Russland als Spion angeboten haben.

Der am Mittwoch verhaftete BND-Mitarbeiter wurde dem "F.A.S."-Bericht zufolge seit Ende 2012 von einem US-Dienst als Agent geführt. In dieser Zeit soll der Mann mehr als 200 Dokumente gestohlen haben.

Wie der ranghohe BND-Beamte dem Bericht zufolge weiter sagte, war der Doppelagent zuletzt damit beauftragt, Dokumente über den NSA-Untersuchungsausschuss zu besorgen. Demnach gelang es ihm aber nur, zwei Dokumente zu besorgen, die den BND betreffen und an den Ausschuss gehen sollten.

Der Vorsitzende des NSA-Untersuchungsausschusses, Patrick Sensburg (CDU), sagte am Samstag im Deutschlandfunk, er habe "keine Erkenntnisse" darüber, dass der festgenommene BND-Mitarbeiter Dokumente des Gremiums selbst ausspähte. Der Ausschussvorsitzende warnte vor voreiligen Schlüssen dazu, "ob die Amerikaner hier ausspähen, ob weitere Staaten vielleicht ausspähen". Zunächst müssten die Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft abgewartet werden.

Wie die "F.A.S." weiter berichtete, arbeitete der mutmaßliche Verräter im Stab der Abteilung EA "Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen", wo er für die technische Unterstützung zuständig gewesen sei. Demnach hatte sich der Mann selbst der US-Botschaft in Berlin per E-Mail angeboten. Bei insgesamt drei Treffen mit Kontaktmännern in Österreich habe er 25.000 Euro erhalten. Als Motiv für den Seitenwechsel werde "Geltungssucht" vermutet.

Aufgeflogen ist der BND-Agent nach übereinstimmenden Berichten von "F.A.S." und des Nachrichtenmagazins "Spiegel", weil er sich Ende Mai zusätzlich auch den russischen Geheimdiensten als Informant angedient haben soll. Demnach fing der Bundesverfassungsschutz (BfV) eine E-Mail des Mannes an das russische Konsulat in München ab.

Nach "Spiegel"-Informationen versuchten die Verfassungsschützer den Absender der E-Mail mit Hilfe der US-Behörden zu identifizieren. Die Deutschen fragten demnach bei ihren US-Kollegen an, ob der E-Mail-Account des Absenders bekannt sei. Eine Antwort sei ausgeblieben. Stattdessen habe der BND-Mann sein E-Mail-Account abgemeldet.

Damit bestätigten beide Blätter Berichte von "Süddeutscher Zeitung", des NDR und WDR vom Mittwoch. Diese hatten berichtet, dass ein BND-Mitarbeiter verdächtig sei, den NSA-Untersuchungsausschuss ausspioniert zu haben. In diesen Berichten war bereits vom Geständnis des Mannes über seine Tätigkeit für die USA die Rede. Die deutschen Behörden wollten die Echtheit des Geständnisses bislang jedoch nicht offiziell bestätigen.

Quer durch alle Parteien verlangten Politiker Aufklärung und warnten vor negativen Folgen für das transatlantische Verhältnis. Die Affäre um das massenhafte Ausspähen der Kommunikation unbescholtener Bürger durch den US-Geheimdienst NSA überschattet die Beziehungen zu Washington seit mehr als einem Jahr. Im März hatte der NSA-Untersuchungsausschuss seine Arbeit aufgenommen. Er soll nicht nur die Rolle des NSA, sondern auch des BND in der Affäre klären.

(DEU)
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