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Zukunftskommission: "NRW verliert viele Akademiker"

Zukunftskommission : "NRW verliert viele Akademiker"

Düsseldorf (RP). Nordrhein-Westfalens Bevölkerung schrumpft nicht nur wegen des Geburtenrückgangs. Bis zum Jahr 2020 werde das Land voraussichtlich eine halbe Million Menschen durch Abwanderung verloren haben, und zwar vor allem von Akademikern.

Dieser "Export von Hochqualifizierten" sei besorgniserregend und müsse gestoppt, fordert Lord Ralf Dahrendorf. Der Wissenschaftler ist Vorsitzender der von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) berufenen "Zukunftskommission" und hat jetzt seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Mit Blick auf den Wegzug von Akademikern stellt Dahrendorf darin fest: "Nordrhein-Westfalen ist nicht das Kalifornien der Bundesrepublik." Zudem falle auf, dass die vielen Universitäten des Landes bei der Exzellenzinitiative des Bundes nur mäßig abgeschnitten hätten. NRW müsse sich anstrengen, bei Forschung und Entwicklung unter die Besten Europas zu gelangen.

Die Kommission, der auch der CDU-Politiker Friedrich Merz, Telekom-Chef René Obermann, der frühere NRW-Minister Bodo Hombach (SPD) und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer angehören, empfiehlt Ganztagsschulen, macht allerdings keine Vorschläge zum Schulsystem. Das Gremium habe sich mit dem Wesentlichen beschäftigt "und nicht mit dem Altem", sagte Rüttgers dazu auf Nachfrage unserer Zeitung. Er teile die meisten Anregungen des Berichts. Auch mit der Thema garantierter Mindestlohn für alle habe er "vom Ansatz her keine Probleme".

Zu den Empfehlungen gehören Beitragsfreiheit für Kindertagesstätten, Mittelstandsförderung und die Möglichkeit, "ein Jahr in der Mitte des Lebens" als Auszeit zur Weiterbildung verwenden zu können. Bejaht werden die Sparkassen ("nicht dem spekulativen Renditewahn verfallen") sowie der Mix aus Kohle, Kernkraft und alternativen Energien Uneinig ist das 23-köpfige Gremium darin, ob auch für Schülerinnen ein Kopftuchverbot gelten soll und ob ein Sozialdienst für alle jungen Frauen und Männer sinnvoll ist.

Unbeantwortet bleiben auch die Fragen, ob die Forschung mit embryonalen Stammzellen intensiviert werden müsse und ob Dauerausstellungen von Museen für Besucher kostenfrei sein sollen.

Hombach sagte, man habe sich zwar nicht in allen Punkten einigen können, aber nichts tabuisieren wollen. Laut Rüttgers sollen die Vorschläge der Kommission jetzt breit öffentlich (auch im Internet) diskutiert werden und dann als Vorlage für politisches Handeln dienen.

Die Grünen kritisieren, dass die Anregungen nur einen "äußerst begrenzten Neuigkeitswert" besäßen. Außerdem seien beträchtliche Kosten entstanden. Nach Angaben der Staatskanzlei wurden drei Millionen Euro für die Zukunftskommission eingeplant. Die Endabrechnung werde jedoch voraussichtlich unter diesem Betrag bleiben.