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Masern: NRW prüft Impf-Pflicht für Kinder

Masern : NRW prüft Impf-Pflicht für Kinder

Berlin (RP). Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen erwägt eine Impfpflicht gegen Masern. Hintergrund ist die erneute Welle von Infektionen im Land. Neben Düsseldorf sind auch die Kreise Neuss und Mettmann sowie die Städte Leverkusen und Herne betroffen.

Auch in diesem Jahr könne es zu einer Epidemie kommen wie im Vorjahr, betonte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. Allerdings gab es 2006 bereits Ende April 1163 Fälle. Das Ministerium sorgt sich wegen der nach wie vor niedrigen Impfrate. Die Dreifachimpfung Masern, Röteln, Mumps muss zweimal gemacht werden, damit der Schutz wirkt.

Den ersten Pikser erhalten rund 95 Prozent der Kinder. Zur Nachimpfung kämen aber nur 75 Prozent, erläuterte der Ministeriumssprecher. Wenn dies in den nächsten ein bis anderthalb Jahren nicht deutlich besser würde, müsse die Debatte über eine Impfpflicht speziell für Masern geführt werden. Noch gibt es gegen die Pflicht juristische Bedenken.

Vor dem Hintergrund des geplanten Ausbaus der Kinderbetreuung für die Kleinsten hat auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts, Heinz-Josef Schmitt, umfassende Impfungen angemahnt. Andernfalls drohten Epidemien und die Rückkehr gefährlicher Krankheiten wie Keuchhusten und Diphtherie. "Ich bin für den Ausbau der Betreuung. Aber die Kinder müssen die em-pfohlenen Impfungen zeitgerecht erhalten - soweit möglich, bevor sie einen Kindergarten besuchen", sagte Schmitt unserer Zeitung. "Es wäre sinnvoll, wenn in staatlichen Kitas die Vorlage des Impfausweises verlangt würde."

Die Impfraten in Deutschland sind "nicht ausreichend", erklärte auch der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder (SPD). "Mir fehlt jedes Verständnis für Eltern, die ihren Kindern diesen Schutz verweigern und sie so einer vermeidbaren Krankheit aussetzen."

Der Kinderarzt und Impfexperte Schmitt erklärt, warum gerade in Kindergärten besonders viele Keime kursieren: "Kinder sind optimale Verbreiter von Keimen." Ein Kind habe in der Betreuungseinrichtung Erstkontakt mit vielen Erregern. Ihm fehle aber noch die spezifische Immunität.

"Im Gegensatz zu Erwachsenen scheiden Kinder die Erreger in hoher Zahl und für lange Zeit aus." Außerdem verhielten sich Kinder meist unhygienisch. "Die stecken alles in den Mund, benutzen kein Taschentuch und schmusen miteinander."