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Auswertung der Pflegenoten: Nordrhein-Westfalen bei Pflege nur Vorletzter

Auswertung der Pflegenoten : Nordrhein-Westfalen bei Pflege nur Vorletzter

Im bundesweiten Vergleich schneiden ambulante Pflegedienste und Heime unterdurchschnittlich ab. Aus Sicht der Betroffenen ist das ein Ärgernis. Denn die Heime in NRW sind besonders teuer.

Die Qualität der Pflege in Nordrhein-Westfalen liegt im bundesweiten Vergleich auf unterem Niveau. Wie eine Auswertung der Pflegenoten für 2013 des Ersatzkassenverbandes zeigt, nehmen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bei den ambulanten Pflegediensten die beiden letzten Plätze vor Thüringen ein.

Bei der Qualität der Pflegeheime liegt NRW im Mittelfeld. Fünf Länder sind besser, vier gleichauf. Bei den Kosten für einen Pflegeheimplatz ist NRW hingegen Spitzenreiter. Während im Bundesdurchschnitt Pflege und Unterkunft sowie weitere Nebenkosten monatlich mit etwa 2500 bis 3500 Euro zu Buche schlagen, sind es in NRW im Durchschnitt 4000 Euro. Dies liegt insbesondere daran, dass den Pflegebedürftigen hohe Investitionskosten für die Heime berechnet werden.

Für den Pflege-TÜV wurden in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2013 rund 2400 ambulante Dienste und 2310 Heime durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft. Bei den Checks der ambulanten Dienste geht es um die pflegerischen Leistungen, die Dienstleistungen und die Organisation sowie eine Kundenbefragung. Bei der Prüfung der Heime werden die pflegerische und die medizinische Versorgung unter die Lupe genommen. Hinzu kommen der Umgang mit Demenzkranken, die Wohnsituation und die Betreuung im Alltag. Sowohl bei Pflegediensten als auch bei Heimen ist auffällig, dass die eigentliche Pflege jeweils am schlechtesten abschneidet.

Trotz der Qualitätsunterschiede und der teils vorhandenen Mängel in Heimen und bei Diensten schneiden alle Länder "gut" oder "sehr gut" ab. So liegt die Durchschnittsnote für ambulante Pflegedienste in Deutschland bei 1,3, die Angebote in NRW erhalten 1,5. Dieses System der Pflegenoten, das die Anbieter hervorragend aussehen lässt, wird seit der Einführung des Pflege-TÜVs 2009 kritisiert.

Nach Ansicht von Experten machen die guten Noten die Unterschiede in der Pflege für Angehörige und Betroffene nicht hinreichend deutlich. Trotz Bewertung der Heime und Pflegedienste bleibt es schwierig, die guten Angebote herauszufinden. "Wenn beim Pflege-TÜV alle am Ende eine Eins bekommen, können wir uns den ganzen Aufwand auch sparen", sagte CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. "Wir haben da mit den beteiligten Verbänden nur noch einen Schuss frei, sonst verliert das ganze Vorhaben seine Akzeptanz", betonte Spahn.

Ähnlich sieht dies die SPD: An den "Pflege-Noten" müssten Verbesserungen vorgenommen werden, sagte Pflege-Expertin Hilde Mattheis. "Es kann nicht sein, dass schlechte Noten bei Kriterien in der pflegerischen und medizinischen Versorgung durch gute Noten in der Verpflegung und Hauswirtschaft ausgeglichen werden können." Die Politikerin sieht auch Nachbesserungsbedarf bei der Organisation der Stichproben in Heimen und bei Pflegediensten. Im Koalitionsvertragen hatten sich Union und SPD geeinigt, die Pflege-Noten "für die Verbraucher in Zukunft deutlicher sichtbar" werden zu lassen.

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(qua)