Norbert Lammert: Bundestagspräsident lehnt ein Burka-Verbot ab

Norbert Lammert : Der Bundestagspräsident lehnt ein Burka-Verbot in Deutschland ab

Das Thema "Vollverschleierung" sorgt in der Union für Dissens: Nun hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gegen Forderungen aus seiner Partei nach einem generellen Burka-Verbot in Deutschland gestellt.

Dieses würde "vermutlich mehr Probleme schaffen als lösen", warnte Lammert in der Zeitung "Die Welt" vom Samstag. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner bekräftigte dagegen ihre Forderung, die Vollverschleierung zu untersagen.

Foto: epa, dpa

"Ich sehe da kein dringliches Problem", sagte Lammert der "Welt" zur Burka-Debatte in der CDU. "Diejenigen, die wegen der prinzipiellen Bedeutung gesetzlichen Handlungsbedarf sehen, sollten sich auch mit der praktischen Umsetzung befassen", die er für problematisch halte.

Die Burka stehe für ein abwertendes Frauenbild und für die Unterdrückung der Frauen, begründete Klöckner dagegen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ihre Verbotsforderung. "Vollverschleierung ist kein Ausdruck religiöser kultureller Vielfalt", sagte die CDU-Vize. "Wenn ein fundamentalistischer Mann es nicht ertragen kann, dass Frauen in der Öffentlichkeit ihr Haar oder ihr Gesicht zeigen, dann ist nicht die Frau, sondern dieser Mann das Problem."

Zur Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sagte Klöckner: "Es gibt nicht den einen Islam, es gibt verschiedene Ausprägungen." Dazu gehörten auch extremistische Strömungen, die bereit seien, Gewalt gegen Nicht- und Andersgläubige einzusetzen. "Muslime, die unsere Grundordnung eines aufgeklärten Landes teilen, die gehören zu Deutschland, aber nicht fundamentalistisch-extremistische Ausprägungen des Islam."

Lammert: Imame sollen Deutsch sprechen

Lammert forderte in der "Welt" allerdings auch, dass Imame hierzulande Deutsch sprechen. Er halte es für eine "schiere Selbstverständlichkeit", dass jemand, der in Deutschland tätig sei, auch Deutsch spreche, sagte der CDU-Politiker. "Das sollte auch für Imame gelten." Zur Begründung fügte er hinzu, auch christliche Priester, die aus dem Ausland kämen und keine perfekten Deutschkenntnisse mitbrächten, müssten "in der Regel die deutsche Sprache erlernen, um die ihnen übertragenen Aufgaben wahrnehmen zu können".

Den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach der Islam zu Deutschland gehört, wollte sich der Bundestagspräsident nicht zu eigen machen. "Der Islam gehört inzwischen zu den Religionen, die in Deutschland erhebliche Verbreitung finden", sagte Lammert. "Und ich würde mir wünschen, man könnte von dieser großen Weltreligion sagen, dass sie ein ähnlich aufgeklärtes Verhältnis zwischen Politik und Glauben, Staat und Religion gefunden hat wie Christentum und Judentum." Es seien diese beiden Religionsgemeinschaften, die für Geschichte und Kultur Deutschlands "zweifellos prägend" seien.

(AFP)
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