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Neujahrsansprache: Merkel wirft Corona-Leugnern Zynismus und Grausamkeit vor

Neujahrsansprache : Merkel wirft Corona-Leugnern Zynismus und Grausamkeit vor

Die Kanzlerin ruft die Bürger in ihrer 16. und mutmaßlich letzten Neujahrsansprache zum Durchhalten in der Corona-Krise auf. Zugleich kritisiert Angela Merkel die „Unverbesserlichen“, die das Virus leugneten, mit deutlichen Worten.

„Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Nie in den letzten 15 Jahren haben wir alle das alte Jahr als so schwer empfunden“, sagt Merkel laut vorab verbreitetem Redetext in der Ansprache. „Und nie haben wir trotz aller Sorgen und mancher Skepsis mit so viel Hoffnung dem neuen Jahr entgegengesehen.“

Es sei „heute aller Voraussicht nach das letzte Mal, dass ich mich als Bundeskanzlerin mit einer Neujahrsansprache an Sie wenden darf“, sagt Merkel, die bei der Bundestagswahl 2021 nicht wieder antreten will. Für das letzte Jahr ihrer Amtszeit sehe sie Hoffnung, trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie. „Seit wenigen Tagen hat die Hoffnung Gesichter: Es sind die Gesichter der ersten Geimpften“, sagt Merkel. „Tagtäglich werden es mehr.“

Es gebe allerdings „nichts zu beschönigen“, sagt Merkel weiter. „Es sind schwere Zeiten für unser Land - und so wird es auch noch eine ganze Weile bleiben.“ Der Winter werde hart, und jeder müsse seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten. „Wir wissen ja, was wir dem Virus entgegensetzen können. Die neben dem Impfstoff wirksamsten Mittel haben wir selbst in der Hand, indem wir uns an die Regeln halten, jeder und jede von uns.“

Ausdrücklich kritisiert Merkel jene „Unverbesserlichen“, die das Virus leugneten. Verschwörungstheorien seien „nicht nur unwahr und gefährlich“, sie seien auch „zynisch und grausam“ jenen Menschen gegenüber, die in der Pandemie geliebte Menschen verloren hätten. „Am Ende dieses atemlosen Jahres heißt es auch, einmal innezuhalten - und zu trauern“, sagt Merkel. „Wir dürfen als Gesellschaft nicht vergessen, wie viele einen geliebten Menschen verloren haben, ohne ihm in den letzten Stunden nah sein zu können.“

Deutschland dürfe trotz aller Konzentration auf die Pandemie, die das Land nach wie vor vor „gewaltige“ Aufgaben stelle, nicht die anderen Aufgaben aus dem Auge verliere, mahnt sie. „Ist also auch im neuen Jahr alles Corona? Nein, und das war es auch im alten nicht“, sagt Merkel. „Nicht erst seit Beginn der Pandemie verändert sich die Welt, in der wir leben, rasant und grundlegend.“ Umso wichtiger sei es, dass Deutschland „mit all seiner Kraft und seiner Kreativität mutige Ideen für die Zukunft“ entwickele - etwa für klimaschonendes Wirtschaften.

Die deutschen Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) unterdessen 32.552 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Außerdem wurden 964 neue Todesfälle verzeichnet, wie das RKI am Donnerstagmorgen bekanntgab. Die Zahlen sind jedoch nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar. Das RKI hatte über die Weihnachtstage mit einer geringeren Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern gerechnet. Die aktuell hohen Zahlen sind deshalb aus Sicht des RKI wohl auch durch Nachmeldungen bedingt. Vor einer Woche waren es 32.195 Neuinfektionen und 802 neue Todesfälle binnen eines Tages.

(felt/lha/dpa/afp)