Patienten sollen bei ungesundem Verhalten zahlen: Neuer Plan: Geldstrafen für Gesundheitsmuffel

Patienten sollen bei ungesundem Verhalten zahlen : Neuer Plan: Geldstrafen für Gesundheitsmuffel

Berlin (rpo). Gesundheitsmuffel sollen sich demnächst stärker an den von ihnen verursachten Behandlungskosten beteiligen. Wer also wegen Übergewichts erkrankt, muss entweder abnehmen oder zuzuzahlen. Dieser Vorschlag kam aus der CDU.

Unions-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller (CSU) sagte am Donnerstag, uneinsichtige Patienten sollten im Zuge eines weiteren Reformschritts künftig an den Behandlungskosten beteiligt werden. Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Vorschlag unterstützte, lehnte die Krankenkasse DAK das Vorhaben ab.

Zöller erläuterte, das bereits für Schönheitsoperationen, Piercings oder Tätowierungen beschlossene Prinzip der Eigenverantwortung von Patienten solle gestärkt werden. Als Beispiel nannte der CSU-Politiker einen 25-jährigen Mann mit 150 Kilogramm Eigengewicht, "der sich ein neues Hüftgelenk machen lassen will". Zöller betonte: "Ich finde, dass der Mann entweder abnehmen muss oder sich mit zehn Prozent an den Kosten beteiligen soll."

KBV-Sprecher Roland Stahl sagte, grundsätzlich sei der Ansatz richtig, die Verantwortung jedes einzelnen für seine Gesundheit stärker in den Vordergrund zu rücken. Allerdings stecke der Teufel im Detail. Schwierig sei die Abgrenzbarkeit, wann eine solche Regelung greifen solle.

Gutes Verhalten belohnen

Der KBV-Sprecher schlug vor, statt Strafen solle man besser gesundheitsbewusstes Verhalten belohnen. So lasse sich das Modell des Zahnbereichs, wo die Zuzahlungen bei regelmäßiger Zahnuntersuchung niedriger liegen, auch auf andere Bereiche ausdehnen. Zudem müsse generell die Gesundheitsaufklärung bereits im Schulunterricht verbessert werden.

DAK-Sprecher Rüdiger Scharf sagte, wenn Zöllers Überlegung eingeführt werde, müssten die Krankenkassen fragen, warum jemand etwa fettleibig sei. "Da sind wir schnell in Richtung einer Gesundheitspolizei, die der Krankheitsgeschichte der Versicherten auf der Spur sein müsste", warnte Scharf.

Zudem hält der DAK-Sprecher eine Abgrenzung in allen Bereichen für "sehr schwer oder gar unmöglich". So sei Alkohol in geringen Maßen durchaus gesund, in größeren Mengen aber schädlich. Ebenso sei Sport gesundheitsfördernd, könne aber auch zu Sportverletzungen führen. Aufgabe der Politik sei es aber, die Prävention auszubauen, betonte Scharf.

(afp)