Neue Algorithmen gegen Fake News

Gefahren aus dem Netz : Neue Algorithmen gegen Fake News

Internet-Experten arbeiten an Programmen zum schnelleren Entlarven von Falschdarstellungen. Es sind nicht die einzigen destabilisierenden Gefahren aus dem Netz.

Die Gefahr kann in einer ganz harmlos wirkenden Bestätigungsmail nach einer Internetbestellung stecken. Wie der Spionageexperte der Universität von Toronto, Ronald Deibert, in einem deutsch-kanadischen Medien-Symposium enthüllte, ging eine Mail von einem Paketversender mit Bezug zu seiner Bestellung bei einem Freund des saudi-arabischen Regimekritikers Jamal Kashoggi ein. Durch das Öffnen des Links zu den Versanddetails habe der saudische Geheimdienst das Handy „übernehmen“ und fortan die gesamte Kommunikation mit Kashoggi überwachen und seine Pläne aufspüren können. Steckt hier das Motiv für den Mord an Kashoggi im Istanbuler Generalkonsulat Saudi-Arabiens?

Die weltweit verfügbaren Spionageprogramme stellen nur einen winzigen Teil jener Möglichkeiten dar, den Gang von Politik und Geschichte durch das Internet zu beeinflussen. Auch die Europawahlen sind gefährdet, wie jüngst Experten dem Bundestagsausschuss Digitale Agenda erläuterten. „Die Wahlen in Europa sind technisch angreifbar“, warnte etwa Sandro Gaycken, der Direktor des Berliner „Digital Society Institutes“. Desinformationskampagnen seien billig durchzuführen. Über verschiedene Plattformen könnten fremde Mächte manipulierte Geschichten für spezifische Empfängerkreise gestalten und choreografieren.

Ausschussvorsitzender Jimmy Schulz (FDP) spricht sich im Gespräch mit unserer Redaktion daher dafür aus, Datenmonopole zu entflechten. Es sei ein begrüßenswerter erster Schritt, dass Facebook die Daten seiner Nutzer in Deutschland nicht mehr ohne deren Zustimmung mit anderen Diensten, wie WhatsApp, zusammenführen dürfe.

An einem weiteren arbeiten Wissenschaftler am Max-Planck-Institut in Tübingen, wie der Künstliche-Intelligenz-Forscher Behzad Tabibian in Toronto berichtete. Er hat sich mit drei Kollegen das Ziel gesetzt, neue Algorithmen zu entwickeln, mit denen mutmaßliche Fake News schneller erkannt und nicht mehr an die ersten Stellen der weitergeleiteten Nachrichten anderer Nutzer gesetzt, sondern in den sozialen Netzwerken im Ranking nach unten verschoben werden.

Kurzfristig sind solche Programme jedoch nicht verfügbar. Und so wirbt Ausschusschef Schulz für einen „sensiblen“ Umgang mit Fake News. Populismus sei nicht mit der Einschränkung der Grundrechte zu bekämpfen. Wichtig sei es, die Nutzer durch „digitale Aufklärung“ stark zu machen, damit sie Manipulationen besser erkennen.

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