Franzose starb im Alter von 96 Jahren: Nazi-Kollaborateur Papon ist tot

Franzose starb im Alter von 96 Jahren: Nazi-Kollaborateur Papon ist tot

Paris (RPO). Der französische Nazi-Kollaborateur Maurice Papon ist am Samstag gestorben. Im Alter von 96 Jahren war er noch am Dienstag wegen Problemen mit seinem Herzschrittmacher in der Nähe von Paris operiert worden. Die Operation hatte er zunächst auch gut überstanden. Papon war 1998 wegen seiner Zusammenarbeit mit den Nazis verurteilt worden.

Er war der einzige ranghohe französische Beamte, der im Zusammenhang mit NS-Verbrechen wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde. Das Urteil erging am 2. April 1998.

Papons Anwalt Vuillemin betonte, sein Mandant habe seine Verurteilung "nie akzeptiert". Der ehemalige Minister "hat bis zum Schluss gekämpft und ist als freier Mann gestorben, während er sich auf seinen letzte Kampf vorbereitete: um seine Rehabilitierung", fügte der Rechtsanwalt hinzu. Er wolle daher auch dafür Sorge tragen, dass Papon mit seinem Orden der französischen Ehrenlegion begraben werde. Dieser war Papon nach der Verurteilung 1999 aberkannt worden, wie es bei allen Ordensträgern der Fall ist, die verurteilt werden. Ein Gericht hatte Papon 2004 zudem zu einer Geldstrafe verurteilt, da er den Orden illegal getragen hatte.

Der Vorsitzende des jüdischen Studentenbundes in Frankreich (UEJF), Benjamin Abtan, sagte, von Papons Opfern könne nicht behauptet werden, dass sie in Ruhe gestorben seien. Seine Gedanken seien an diesem Tag bei allen Opfern Papons. Der Papon-Prozess sei ein "Schlüsselereignis" für das Holocaust-Gedenken in Frankreich gewesen, sagte Abtan weiter. Papon bleibe nicht allein als "Verbrecher" in Erinnerung, sondern auch als "Symbol der Verantwortung des französischen Staates bei dem Versuch der Vernichtung der Juden Europas".

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Papon war am 8. Februar wegen Problemen mit seinem Herzschrittmacher ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Angaben seines Anwalts war die Operation in der vergangenen Woche "sehr gut verlaufen".

Als Generalsekretär der Präfektur in Bordeaux hatte Papon im Zweiten Weltkrieg unter der vom Deutschen Reich geduldeten Vichy-Regierung Befehle zur Verhaftung und Deportation von Juden aus der Region unterzeichnet. Nach dem Krieg wurde er Pariser Polizeichef und Haushaltsminister. Erst Jahrzehnte später deckte eine Zeitung seine Tätigkeit während der NS-Besatzung auf. Nach jahrelangen Ermittlungen wurde er schließlich wegen Mordes, versuchten Mordes, Entführung und Beihilfe zu illegalen Festnahmen bei über 1500 nach Deutschland deportierten Juden angeklagt.

Der Mordvorwurf und einige weitere Anklagepunkte wurden im Laufe des Verfahrens fallengelassen. Im April 1998 wurde er schließlich wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt. Seitdem kämpfte er um seine Rehabilitierung. Dabei erreichte er unter anderem eine Verurteilung Frankreichs durch den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, da ihm kein gerechtes Verfahren gewährt worden sei. Ein französisches Berufungsgericht wies Papons Anfechtung des Urteils allerdings zurück. Von seiner Haftstrafe verbüßte Papon aus gesundheitlichen Gründen nicht einmal drei Jahre. Seit seiner Freilassung im Jahr 2002 lebte er in seiner Geburtsstadt Gretz-Armainvilliers bei Paris im Département Seine-et-Marne.

(afp2)
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