In Debatte um Nahostkonflikt Vertreter von Muslimen wünschen sich mehr Differenzierung

Köln · Es gehe nicht um Terrorunterstützung- oder Verharmlosung. Vertreter von Muslimen kritisieren die mediale und politische Thematisierung des Themas. Sie fordern Frieden – auf beiden Seiten.

Freitagsgebet in der Merkez DITIB Moschee in Duisburg. Vertreter von Muslimen in Deutschland wünschen sich mehr Differenzierung im Nahostkonflikt.

Freitagsgebet in der Merkez DITIB Moschee in Duisburg. Vertreter von Muslimen in Deutschland wünschen sich mehr Differenzierung im Nahostkonflikt.

Foto: dpa/Christoph Reichwein

Vertreter von Muslimen in Deutschland haben in der Debatte um den Gaza-Krieg für mehr Differenzierung geworben und eine Stigmatisierung muslimischer Menschen kritisiert. „Wer genau hinschaut, sieht: Die allermeisten Menschen fordern das Ende der Gewalt und Frieden – auf beiden Seiten. Die mediale und politische Thematisierung hingegen zielt an diesem Konsens vorbei“, teilte der Koordinationsrat der Muslime, die Dachorganisation der größten islamischen Organisationen hierzulande, am Dienstag mit.

Es gehe nicht darum, Terror zu relativieren oder gar zu unterstützen, stellte der Rat klar. Wer Verbrechen verteidige, müsse Gegenwind ernten. „Wer jedoch legitime Forderungen stellt, das Leid des palästinensischen Volkes zur Sprache bringt“, sich solidarisiere, „sich für Frieden einsetzt, verdient Gehör“, hieß es.

Die bisherige Debatte schüre Vorurteile. Jüdinnen, Juden und jüdische Einrichtungen seien antisemitischen verbalen und tätlichen Angriffen ausgesetzt, so der Koordinationsrat, der aber betonte, dass es auch zu Dutzenden Übergriffen auf Muslime und Moscheen gekommen sei. „Ein Aufschrei ist bisher ausgeblieben.“

Der Koordinationsrat kritisierte weiter eine mangelnde öffentliche Anteilnahme „an den schrecklichen Entwicklungen in Nahost“, die Tausenden Zivilisten, Kindern, Älteren und Frauen das Leben gekostet hätten. Das rufe innerhalb der muslimischen Community in Deutschland zunehmendes Unverständnis hervor.

„Hinzu kommen die gebetsmühlenartig wiederholten Distanzierungsforderungen vom Terror.“ Sie frustrierten, weil man sich nicht verstanden fühle, heiß es weiter. „Dieser Generalverdacht führt insbesondere bei jüngeren Muslimen zu einer Entfremdung – eine zutiefst besorgniserregende Entwicklung.“

(pvk/dpa)
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