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19-Jähriger angeblich noch am Leben: Nahost: Entführer des Soldaten fordern Freilassung von 1000 Gefangenen

19-Jähriger angeblich noch am Leben : Nahost: Entführer des Soldaten fordern Freilassung von 1000 Gefangenen

Gaza (rpo). Die Palästinensergruppen, die sich zur Entführung des 19-jährigen israelischen Soldaten Gilad Schalit bekannt haben, stellen Forderungen. Sie verlagen, dass 1000 Palästinenser aus Gefängnissen in Israel freigelassen werden - darunter sämtlicher Anführer der verschiedenen palästinensischen Gruppierungen.

Auch die Freilassung "aller älteren und aller kranken Gefangenen", verlangen die drei Palästinensergruppen. Angaben der radikalen El-Aksa-Brigaden, wonach sie einen weiteren Soldaten verschleppt haben, wurden am Samstag von einem israelischen Polizeisprecher zurückgewiesen.

Die drei palästinensischen Gruppierungen ließen offen, ob Schalit freikommt, wenn Israel ihre Forderung erfüllt. Für "Informationen zu dem Entführten" müsse Israel zunächst alle weiblichen und minderjährigen palästinensischen Gefangenen freilassen, bekräftigten sie in der Erklärung. Darin fordern sie zudem ein Ende der israelischen Militäroffensive im Süden des Gazastreifens.

Schalit war am vergangenen Sonntag nach einem Angriff auf einen israelischen Grenzposten im Süden des Gazastreifens entführt worden. Zu seiner Entführung bekannten sich die radikalen Essedin-el-Kassam-Brigaden, die Volkswiderstandskomitees sowie eine bisher ungekannte Gruppierung "Armee des Islam".

Entführter Soldat offenbar am Leben

Nach Informationen des israelischen Fernsehens ist der 19-jährige Soldat noch am Leben. Ein Arzt habe seine Verletzungen behandelt, die er bei dem Überfall am Sonntag erlitten habe, berichtete das Fernsehen am Freitagabend ohne Quellenangabe. Wo Schalit festgehalten werde, sei nicht bekannt.

Auf der Suche nach dem Entführten war die israelische Armee am Mittwoch in den Süden des Gazastreifens eingerückt. Einen Tag später nahm sie mehr als 60 ranghohe Hamas-Politiker, darunter auch mehrere Minister, fest. Gleichzeitig verzichtete sie auf die geplante Ausweitung ihrer Bodenoffensive auf den dichtbesiedelten Norden des Palästinensergebiets, nach offiziellen Angaben, um Ägypten mehr Zeit für seine Vermittlungsbemühungen zu geben.

In der Nacht gaben die radikalen El-Aksa-Brigaden, eine lose mit der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verbündete bewaffnete Gruppierung, die Entführung eines weiteren Soldaten bekannt. Es handele sich um einen 23-Jährigen aus der Nähe von Hulul im Süden von Tel Aviv. Sie forderten den sofortigen Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen.

EU fordert Freilassung der Hamas-Politiker

Ein israelischer Polizeisprecher dementierte am Samstag die Angaben. Nachforschungen hätten ergeben, dass der angeblich Entführte weder Soldat noch verschleppt sei. Ihm gehe es gut, derzeit befinde er sich "in Urlaub im Ausland". Zuvor hatte die Armee bereits erklärt, sie habe derzeit keinen Soldaten mit dem angegebenen Namen in ihren Reihen.

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Die Europäische Union forderte von Israel die unverzügliche Freilassung der Hamas-Politiker sowie einen Stopp der Bombardierungen wichtiger Versorgungseinrichtungen in den Palästinensergebieten. Der amtierende EU-Ratspräsidenten, der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen, äußerte sich "sehr besorgt" über die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten. "Der einzige Weg, den Konflikt zu lösen, ist die Rückkehr an den Verhandlungstisch", sagte er in einem Gespräch mit der Zeitung "Die Welt". Er rief beide Seiten zur Mäßigung auf. Israel müsse seine Offensive einstellen, die Palästinenser müssten den entführten Soldaten freilassen.

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(afp)