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Nutzung von rund 45 Prozent: Nachfrage nach Bildungspaket steigt langsam

Nutzung von rund 45 Prozent : Nachfrage nach Bildungspaket steigt langsam

Berlin (RPO). Nach den Sommerferien ist die Nachfrage nach dem Bildungspaket für bedürftige Familien langsam gestiegen. Der Deutsche Städtetag und der Deutsche Landkreistag gehen übereinstimmend davon aus, dass mittlerweile rund 45 Prozent der bedürftigen Familien Zuschüsse für ihre Kinder in Anspruch nehmen.

Seit Anfang April können bedürftige Familien zusätzliche Mittel für Schulmaterial, warme Mittagessen in Schule und Kita, Nachhilfe und Freizeitaktivitäten aus dem insgesamt 1,6 Milliarden Euro schweren Bildungspaket beantragen. Da sich die Nachfrage zu Beginn äußerst schleppend gestaltete, berief von der Leyen noch im April einen Runden Tisch ein. Vertreter von Bund, Ländern und Gemeinden treffen sich nun im Abstand mehrerer Monate, um über die Umsetzung des Pakets zu beraten.

In den Städten haben inzwischen rund 44 Prozent der Leistungsberechtigten Anträge gestellt, teilte der Deutsche Städtetag auf Grundlage einer Umfrage in 80 Städten mit. Im Juni seien es noch 27 Prozent gewesen. Insgesamt hätten in den Städten rund 900.000 Kinder aus Familien, die Hartz IV, Wohngeld oder Sozialhilfe beziehen, Anspruch auf die Leistungen. Angenommen hätten sie 400.000. Ähnlich sieht es in den Landkreisen aus. Von rund 1,3 Millionen anspruchsberechtigten Kindern seien für 600.000 von ihnen Leistungen beantragt worden. Dies entspreche rund 45 Prozent.

Mittagsverpflegung ist die Nummer eins

Am stärksten nachgefragt wird den Angaben zufolge der Zuschuss zur Mittagsverpflegung, gefolgt von der Unterstützung für Ausflüge und Klassenfahrten. Schülerbeförderung und Nachhilfe spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. "An diese Leistungen hat der Gesetzgeber sehr enge Voraussetzungen geknüpft", erläuterte der Präsident des Landkreistages Hans Jörg Duppré.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus, machte die Informationsarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden für das gestiegene Interesse verantwortlich. "Die Zwischenbilanz gut ein halbes Jahr nach Inkrafttreten kann sich sehen lassen, auch wenn noch genug zu tun bleibt", sagte er. Duppré betonte, dass die Landkreise ihre Bemühungen verstärkt hätten. "Viele haben sogar jeden einzelnen Hartz-IV-Haushalt angeschrieben oder Telefonhotlines eingerichtet", sagte er.

Noch beim Gespräch am Runden Tisch im Juni hatten Vertreter der kommunalen Spitzenverbände die Hoffnung geäußert, dass das Bildungspaket bis November flächendeckend angenommen werde. Articus warnte dagegen vor überzogenen Erwartungen. "Eine bessere Bildung und Teilhabe lässt sich nicht in wenigen Monaten realisieren", sagte er. Allerdings sei es "auch bei größtem Engagement unwahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit alle Eltern die Leistungen für ihre Kinder beantragen".

Duppré verwies darauf, dass viele Vereine Kindern aus armen Familien kostenlose Mittagessen anböten, Zuschüsse aus dem Bildungspaket also gar nicht erforderlich seien. Auch hätten nicht alle Kinder Interesse an Musikunterricht oder seien versetzungsgefährdet. "Deswegen kann sich die jetzige Quote nach einem guten halben Jahr wirklich sehen lassen", fügte er hinzu.

Hier geht es zur Infostrecke: Hartz IV - Eine Chronologie

(apd/das)