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Sein Todestag jährt sich zum zehnten Mal: Mysteriöser Möllemann-Brief aufgetaucht

Sein Todestag jährt sich zum zehnten Mal : Mysteriöser Möllemann-Brief aufgetaucht

Vor genau zehn Jahren starb Jürgen Möllemann. Nun ist ein rätselhafter Brief des FDP-Politikers an seinen Freund Wolfgang Kubicki aufgetaucht. Darin sah der frühere Wirtschaftsminister und Vizekanzler schon Wochen zuvor seinen Tod voraus.

"Lieber Wolfgang!", heißt es in dem Schreiben zu Beginn, als Datum ist 17. Mai 2003 angegeben. Die Bild-Zeitung hat es an diesem Mittwoch als Faksimile abgedruckt. Das Blatt bezeichnet das Schreiben als das geheime Vermächtnis Jürgen Möllemanns, der mit 57 Jahren bei einem Fallschirmsprung ums Leben kam. Die Umstände des Vorfalls am 5. Juni 2003 sind bis heute nicht restlos geklärt. Sicher ist nur eins: Möllemann stand damals schwer unter Druck. Vieles spricht für einen Suizid. Zu beweisen ist das nicht.

Das nun aufgetauchte Schreiben spricht dafür, dass Möllemann seinen Tod vorausahnte. Denn er übergab ihn an seinen Freund Kubicki im April 2003 in einem verschlossenen Umschlag für den Fall, dass er sterben sollte. Eine Art Testament, eine Art Abschiedsbrief also. Kubicki wies er an, den Brief erst nach seinem Tod zu öffnen. "Meine innere Unruhe, über die ich Dir berichtet habe, veranlasst mich, Dir für den angesprochenen Fall vertraulich folgendes zu schreiben", zitiert die Bild aus dem zweiseitigen Brief.

Sechs Wochen später bewahrheiteten sich die düsteren Andeutungen.

Noch am Abend holte Kubicki den Umschlag aus dem Safe

Noch am selben Abend soll Kubicki den Brief aus seinem Safe geholt haben, auch in der Hoffnung, etwas über die Hintergründe seines Todes zu erfahren. Doch die Zeilen Möllemanns warfen nur noch mehr Fragen auf. Insbesondere das Datum ließ Kubicki stutzen. Denn der im April überreichte Brief war auf den 17. Mai datiert.

Warum, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht, weil er Suizid-Gedanken hegte. Gleichzeitig fühlte sich Möllemann aber wohl auch akut bedroht, erinnert sich Kubicki laut Bild. "Er fühlte sich verfolgt und beobachtet. Er dachte, man wollte ihm ans Leder", sagte er dem Blatt. Möllemann beließ es bei Andeutungen. "Ich hatte in dem Brief mit Hinweisen gerechnet, von wem er sich bedroht und verfolgt fühlte. Und was die Gründe dafür waren", so Kubicki. Er wurde enttäuscht.

Konten, Briefe, Dokumente

Sicher ist nur: Möllemann befand sich in einer schweren Krise. Persönlich und politisch. Mit seiner Partei hatte sich der frühere Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister der Regierung Kohl zerstritten. Ihm wurden illegaler Parteispenden und ein anti-israelischer Flyer zur Last gelegt. Sein Amt als nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender musste er aufgeben, die Bundestagsfraktion trennte sich von ihm, um auch einem Parteiausschluss zuvorzukommen, verließ Möllemann am 17. März 2003 die FDP. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn.

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  • Juni: Möllemanns Absturz

Das nun aufgetauchte Schreiben ist Ausdruck dieser Krise. Es befasst sich überwiegend mit testamentarischen Dingen, Möllemann regelt seine Angelegenheiten. Seine Frau Carola setzt er als Erbin ein, er überträgt ihr Gelder eines Kontos auf Gran Canaria, zudem ist von Geschäften im Iran und Turkmenistan die Rede, ebenso wie von nicht näher beschriebenen Dokumenten, die bei Freunden in Luxemburg und Gran Canaria lagern. Auch ein Konto in Luxemburg wird erwähnt, auf dem ein Millionenbetrag deponiert sein soll. Davon will Möllemann auch seine Flyer-Aktion finanziert haben.

Letzte Worte an den Freund

Zudem finden sich auch ein paar persönliche Zeilen an seinen Freund Wolfgang Kubicki: "Ich danke Dir sehr, mein Freund, dass Du — wenn nötig Carola und den Töchtern bei der Bewältigung der wirtschaftlichen/rechtlichen Fragen hilfst." Kubicki zählt sich bis heute zu Möllemanns engsten Freunden. Im Rückblick macht er seiner Partei schwere Vorwürfe. Im Umgang mit Möllemann seien wesentliche Grundsätze verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft Essen sieht in dem Brief Möllemanns indes keinen Anlass für neue Ermittlungen zum Tod des FDP-Politikers vor zehn Jahren. "Das spielt für uns keine Rolle. Der Brief ist ja nicht einmal vollständig veröffentlicht", sagte Behördensprecher Wilhelm Kassenböhmer der dpa.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Ereignisse im Fall Jürgen W. Möllemann

(pst)