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Proteste in Deutschland: Muslime weisen Antisemitismus von sich

Proteste in Deutschland : Muslime weisen Antisemitismus von sich

Erneut wird in mehreren deutschen Städten gegen den Gazakrieg demonstriert. Judenfeindliche Parolen wie vor einigen Tagen bleiben aus. Die Muslime in Deutschland versichern: Wir sind strikt gegen Antisemitismus.

Die judenfeindlichen Äußerungen bei Protesten gegen Israels Vorgehen im Gaza-Streifen werden von den Muslim-Verbänden in Deutschland offensichtlich unterschiedlich bewertet. Während der Koordinierungsrat der Muslime lediglich "Überreaktionen, die nicht akzeptabel sind", sieht, hatte der Zentralrat der Muslime zuvor von Antisemitismus gesprochen und sich scharf distanziert.

Der Vorsitzende des Koordinierungsrates der Muslime, Ali Kizilkaya, sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstag): "Die Kritik am Vorgehen Israels ist berechtigt. Aber antisemitische Ausfälle sind es auf keinen Fall." Kizilkaya fügte hinzu: "Wir Muslime lehnen Antisemitismus ab."

Dagegen hatte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch gesagt: "Wer Judenhass predigt oder meint, im Zuge des Gaza-Krieges Antisemitismus verbreiten zu müssen, hat in unserer Gemeinde nichts zu suchen."

Am Samstag demonstrierten mehrere Tausend Menschen in mehreren deutschen Städten erneut gegen das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen und für eine andauernde Waffenruhe. Die Teilnehmerzahlen waren teilweise deutlich geringer als erwartet. Antisemitische Parolen, wie in vergangenen Tagen, oder andere Zwischenfälle wurden zunächst nicht bekannt. Kundgebungen gab es unter anderem in München, Frankfurt, Berlin, Gießen, Hamburg und Kiel.

In Frankfurt rief die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) die israelische Regierung und die radikal-islamistische Hamas gleichermaßen auf, "die Gewalt unverzüglich zu beenden". In München erteilten Redner antisemitischen Äußerungen ausdrücklich eine Absage.

In Berlin riefen mehrere Organisationen von Juden, Christen und Muslimen für Sonntag zu einem gemeinsamen Friedensgebet für den Nahen Osten auf.

Auch bei zahlreichen Demonstrationen am Freitag waren kaum noch antisemitische Parolen zu hören gewesen. In Berlin musste die Polizei allerdings pro-palästinensischer Demonstranten davon abhalten, pro-israelische Gegendemonstranten zu attackieren.

Deutsche Politiker verurteilten erneut die antisemitischen Parolen der vergangenen Tage. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann nannte sie "absolut unerträglich". Der "Passauer Neuen Presse" (Samstag) sagte er: "Verantwortlich dafür ist eine unheilige Allianz aus Islamisten, Rechts- und Linksextremisten. Wir dürfen nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen lassen, dass Antisemitismus bei uns in Deutschland entschieden bekämpft wird. Wir dulden das nicht!"

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Ähnlich äußerte sich CSU-Chef Horst Seehofer: "Ich finde, wir müssen - alle Demokraten gemeinsam - gegen solche Entwicklungen und teilweise Exzesse die Stirn bieten", sagte er der Online-Ausgabe der "Welt" (Samstag). "Und ich dachte nicht, dass hier in der Bundesrepublik Deutschland so etwas noch möglich ist."

(dpa)