UN-Sonderbericht: Munoz: Deutsches Schulsystem ist diskriminierend

UN-Sonderbericht : Munoz: Deutsches Schulsystem ist diskriminierend

Genf/Frankfurt (RPO). Das deutsche Schulsystem diskriminiert nach Einschätzung des UN-Sonderberichterstatters Vernor Munoz sozial benachteiligte, ausländische und behinderte Schüler. Munoz forderte am Mittwoch vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf die deutsche Politik auf, die Aufteilung in Haupt-, Realschulen und Gymnasien zu überdenken, um Ungleichheit und Chancengerechtigkeit zu beseitigen.

"Ich glaube, dass das gegliederte System und die Art der Aufteilung der Schüler soziale Ungleichheit betont", erklärte Munoz. Der Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung hatte am Mittwoch seinen bereits im Vorfeld heftig umstrittenen Bericht bei der vierten Vollversammlung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf vorgestellt.

Vom 13. bis 21. Februar 2006 hatte Munoz Deutschland besucht, um sich ein Bild von der Chancengerechtigkeit des hiesigen Bildungssystems zu machen. Dabei untersuchte er die Wirkung des deutschen Föderalismus', die Reform des Bildungssystems als Reaktion auf die Pisa-Ergebnisse, die Struktur des Bildungssystems und wie die Bildungspolitik mit Einwanderung, demographischem Wandel und sozioökonomischen Faktoren umgeht.

Munoz verweist in seinem Bericht auf die Ergebnisse der Pisa-Studie, wonach Deutschland unter den Industrienationen den stärksten Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund und den Leistungen der Schüler aufweist. Am stärksten seien davon Schüler betroffen, "die in Armut leben, die Bevölkerung mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen", erklärte er in seiner Rede. Reformbemühungen müssten gerechte und gleiche Lernbedingungen garantieren.

"Deutschland sollte sein Bildungssystem so reformieren, dass es einerseits seine Vorteile beibehält - etwa den hohen Grad des Schulbesuchs -, während es andererseits seine Ungleichheit und das Fehlen von Chancengerechtigkeit überwindet", schlägt Munoz vor.

Positiv hob Munoz hervor, dass Deutschland ein breites öffentliches Schulwesen habe und eines der wenigen Länder sei, in dem die Schulpflicht bis 18 Jahre gehe.

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(ap)
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