Unzufrieden mit der SPD: Müntefering ab September wieder in Berlin

Unzufrieden mit der SPD : Müntefering ab September wieder in Berlin

Berlin(RP). Der frühere SPD-Chef will den Kurs seiner Partei wieder stärker mitbestimmen. Ab September wird er seine Arbeit in Berlin wieder aufnehmen. In vollem Umfang. Seine Rückkehr nährt bereits Spekulationen, ob er ein SPD-Führungsamt anstrebt.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Franz Müntefering wird im September seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter wieder in vollem Umfang aufnehmen. Das erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen der SPD-Bundestagsfraktion.

Ende Juli war Münteferings Frau Ankepetra nach einem langen Krebsleiden gestorben. Der SPD-Politiker hatte 2007 mit Ausnahme des Bundestagsmandats alle politischen Ämter aufgegeben, um seine todkranke Frau zu pflegen. Seine Aufgaben als Bundestagsabgeordneter nahm er noch wahr, schaltete sich aber nicht mehr in das politische Tagesgeschäft ein.

Allerdings hatte er nach Berichten aus Fraktionskreisen zunehmend unzufrieden die Entwicklung der SPD verfolgt und sie zumindest intern bei einer Sitzung der NRW-Abgeordneten auch unter dem Beifall seiner Parteifreunde kritisiert.

Mit Münteferings Rückkehr verbindet sich in Teilen der Sozialdemokratie die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen des 68-Jährigen bei der Bewältigung der derzeitigen Führungskrise der Partei.

So erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) jetzt in einem Interview: "Jemand mit der Erfahrung und der Leistung von Franz Müntefering fehlt natürlich immer." Müntefering habe immer erklärt, Politik bestehe aus Führen und Sammeln. Deshalb sei auch nicht die Frage des Kanzlerkandidaten entscheidend, sondern die Frage, "mit welcher Haltung und welchem Programm dies geschieht".

Müntefering gilt manchen Sozialdemokraten bereits als mögliche Alternative für den Fall, dass Kurt Beck als Parteichef scheitern sollte. Unterdessen bereitet eine Beratergruppe um den stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Frank-Walter Steinmeier ein Szenario für die Ausrufung des Außenministers zum Kanzlerkandidaten vor. Wie unsere Redaktion erfuhr, lässt Steinmeier Mitarbeiter bereits an einer vor allem auf die Innenpolitik ausgerichteten Rede arbeiten. Mit ihr wolle er vor einem ausgewählten Publikum seinen Führungsanspruch in der SPD und gegenüber der amtierenden Bundeskanzlerin anmelden, heißt es in Berlin.

Der amtierende SPD-Chef Beck, der 2009 für den Bundestag kandidieren will, fällt indes in Umfragen immer weiter hinter die Kanzlerin und auch hinter Steinmeier zurück. Nur elf Prozent der Bundesbürger nennen seinen Namen auf die Frage, wer Kanzlerkandidat der SPD werden soll. 45 Prozent bevorzugen Steinmeier.

Hier geht es zur Infostrecke: Müntefering: seine besten Sprüche