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Müller fordert zum Erdüberlastungstag Abkehr von Kapitalismus

Erdüberlastungstag : Müller fordert Abkehr von traditionellem Kapitalismus

Am Sonntag ist „Erdüberlastungstag“ in Deutschland – Die Corona-Krise sei ein Weckruf an die Menschheit, mit Natur und Umwelt anders umzugehen und die bisherige Art zu wirtschaften zu beenden, sagt der CSU-Politiker.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die deutsche Wirtschaft aufgefordert, zur Rettung des Klimas vom traditionellen Kapitalismus abzukehren. „Der Immer-Weiter-Schneller-Mehr-Kapitalismus der letzten 30 Jahren muss aufhören“, sagte unserer Redaktion mit Blick auf den sogenannten Erdüberlastungstag in Deutschland an diesem Sonntag. „Wenn wir unser Leben in Übereinstimmung mit der Schöpfung leben würden, gäbe es den Erdüberlastungstag nicht.“ Dann wäre er höchstens am 31. Dezember. „Er ist aber bereits am 3. Mai – dann sind theoretisch alle Ressourcen für das Jahr aufgebraucht und wir leben gewissermaßen „auf Pump“.

Müller mahnte: „Die Corona-Krise ist ein Weckruf an die Menschheit, mit Natur und Umwelt anders umzugehen. Ein Auslöser der Pandemie liegt auch am Raubbau an der Natur, in der Rodung der Regenwälder. Deswegen müssen wir umdenken und können nicht einfach zur Normalität der Globalisierung zurückkehren.“

Lebten alle Menschen auf der Welt wie die Deutschen „mit einer ständigen Steigerung des Verpackungsmülls und der bisherigen Art zu wirtschaften, bräuchten wir zwei Erden“. Es gebe aber nur einen Planeten. „Die Grenzen der Ressourcen sind endlich und wir nehmen uns ein Vielfaches dessen, was uns zusteht. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse der anderen und unserer Kinder und Enkel.“ Vor allem die armen Länder litten unter dem deutschen Ressourcenverbrauch - am stärksten durch die Auswirkungen des Klimawandels, sagte Müller.

Alle vier Sekunden werde weltweit die Fläche eines Fußballfeldes abgeholzt – vor allem für die riesige Soja- und Palmölplantagen. „Das müssen wir sofort stoppen. Wir betreiben Raubbau in den Regenwäldern.“ Die Brandrodung der Regenwälder verursache elf Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes. „Wir benutzen Shampoo mit Palmöl und grillen häufig Fleisch vom Schwein, das mit Soja gefüttert wurde.“ Die EU solle nur noch nachhaltiges und klar zertifiziertes Soja und Palmöl importieren. „Wer künftig Soja oder Palmöl importieren will, der muss den Nachweis erbringen, dass der Anbau nicht auf gerodeten Waldflächen erfolgt ist.“ Man müsse endlich einmal ernstmachen mit den Nachhaltigkeitsvorgaben in den Handelsabkommen. „Im Hafen von Hamburg darf kein Schiff anlegen, das Soja oder Palmölprodukte aus nicht zertifizierter Produktion nach Deutschland bringen will. Uns muss auch in Deutschland bewusst sein: Immer nur billig – das geht auf Kosten der Natur und der Menschen in anderen Erdteilen.“

Der Entwicklungsminister sagte, es stelle sich die Sinnfrage. „Jedes einzelne Leben ist nur ein Flügelschlag in der Geschichte des Planeten. Wir tragen Verantwortung für die nächsten Generationen und Verantwortung vor Gott.“

(kd)