Wahldesaster in Thüringen CDU-Landeschef Mohring gibt auf

Berlin · Der 48-Jährige scheitert am Wahldesaster in Thüringen. Er verliert den Fraktions- und den Parteivorsitz.

 Mike Mohring

Mike Mohring

Foto: dpa/Michael Kappeler

Den Kampf gegen den Krebs hat Mike Mohring gewonnen. Den Kampf um die Macht hat der CDU-Landeschef in Thüringen verloren. Am Freitag stellte der 48-Jährige auf Twitter ein Video ein, in dem er in einem Raum vor weißen Wänden sagt: „Ich glaube, wir tun gut daran, dass wir unsere Partei befrieden, dass die persönlichen Interessen zurückgestellt werden und dass wir einen gemeinsamen Weg für die Zukunft finden. Ich möchte diesem Weg nicht im Wege stehen und deswegen auch nicht erneut für den Landesvorstand kandidieren.“ Auch den Fraktionsvorsitz im Landtag wird er nicht behalten. Das war schon in der vorigen Woche klar.

Vor einem Jahr hatte sich Mohring in wichtiger Angelegenheit ebenfalls via Twitter erklärt. Mit einer Mütze auf dem Kopf berichtete er über seine Krebserkrankung. Er überstand eine langwierige Behandlung - und im Herbst auch die Verluste der CDU bei der Landtagswahl. Gescheitert ist er an der Rolle der Landes-CDU bei der Regierungsbildung.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Generalssekretär Paul Ziemiak ließen ihm keinen Zentimeter Platz für eine projektbezogene Zusammenarbeit mit der Linken, um deren rot-rot-grüne Minderheitsregierung zu installieren. Selbst ein Kaffeetrinken mit Bodo Ramelow, mit dem die Linke stärkste Kraft geworden ist,  wurde als Affront gesehen. Die Bundes-CDU pochte auf den Beschluss, jegliche Kooperation sowohl mit der AfD als auch der Linken abzulehnen. Mohring war damit politisch bewegungsunfähig. Was ihn dann bewogen hat, am 5. Februar die Gefahr einzugehen, gemeinsam mit FDP und AfD den FDP-Mann Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten zu wählen, kann sich in der CDU-Spitze niemand erklären.

Kramp-Karrenbauer und Kanzlerin Angela Merkel sollen Mohring vor den Folgen gewarnt haben - und umgekehrt hat er angeblich beiden Frauen offen von den Gefahren eines FDP-Kandidaten berichtet. Genutzt hat alles nichts. Das Beben von Erfurt erschütterte die CDU, auch Kramp-Karrenbauer zieht sich vom Vorsitz zurück. Die Union kommt ins Schleudern. Am Freitag wurde spekuliert, dass Christian Hirte, den Merkel als Ostbeauftragten der Bundesregierung wegen mangelnder Distanz zur Wahl Kemmerichs mit AfD-Stimmen entlassen hatte, neuer CDU-Landeschef werden könnte.

Mohring wurde 2008 Fraktionschef und 2014 Landeschef der Partei. Streitbar war er immer, manche sagen, er habe sich oft nicht an Absprachen gehalten. Aber sein zeitgleicher Kampf für die Wahl und gegen den Krebs habe seine Leidensfähigkeit gezeigt. Mohring wünschte am Freitag: „Alles Gute unserer CDU Thüringen.“

(kd )