Leichenfledderei im Klinikum Kassel Mitarbeiter klaute Handy von NSU-Opfer

Düsseldorf · Ein Mitarbeiter der Pathologie am Klinikum Kassel hat gegenüber der Polizei zugegeben, Wertgegenstände von Toten aus der Leichenhalle gestohlen zu haben. Medienberichten zufolge wurde so auch das Handy des NSU-Mordopfers Halit Yozgat entwendet.

Chronologie: die Raubüberfälle der NSU
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Foto: dapd, Patrick Sinkel

Der Deutsch-Türke Yogat wurde am 26. April 2006 von der Nazi-Zelle um Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in seinem Internetcafé in Kassel ermordet. Wie der "Focus" berichtet, stellte die Poliei später fest, dass Yogats Mobiltelefon fehlte. Die Ermittler glaubten an einen Diebstahl des NSU-Trios. Die Abfrage bei der Mobilfunkunternehmen ergab, dass das Handy noch in Betrieb war.

Nach Focus-Informationen führte die Spur schließlich in eine hessische Gemeinde zu einem Angestellten des Klinikums Kassel. Der damals 43-jährige Mann arbeitete in der Pathologie. Den Diebstahl des Handys gab er zu, er habe "aus Neugier" gehandelt. Der als Sektionsassistent tätige Mann habe ein Kühlfach in der Gerichtsmedizin geöffnet und dort einen halb bekleideten Toten vorgefunden und das Mobiltelefon aus der Hosentasche entwendet.

Sein Handy sei kaputt gewesen, gab der Mann später an. "Ich habe gedacht, dass ich es nehmen kann", erklärte der Mann dem "Focus" zufolge. Anschließend habe er mit dem Mobiltelefon "noch ein bisschen rumgespielt" und die SIM-Karte des Toten gegen seine eigene ausgetauscht.

Später gab der Mitarbeiter der Pathologie an, mehrere Taten dieser Art begangenen und seit Jahren das Eigentum von Verstorbenen gestohlen zu haben. Der Täter stahl Ketten, Bargeld, Handys und sogar Herzschrittmacher. Als die Klinik von diesen Vorgängen erfahren hatte, entließ sie den Mitarbeiter. Bereits wurde der Mann wegen Unterschlagung zu einer Geldstraße verurteilt.

(nbe)