Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan: Ministerin und Uni beschädigt

Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan : Ministerin und Uni beschädigt

Ein Ergebnis im Fall Schavan steht schon fest: Die Ministerin und die Universität Düsseldorf sind beschädigt. Am Ende wird sich nur noch die Frage stellen, wer der größere Verlierer ist. Der Zeitpunkt, an dem für beide Seiten eine gesichtswahrende Lösung möglich gewesen wäre, ist längst verstrichen. Beide Seiten haben Fehler gemacht.

Die Universität Düsseldorf hätte in so einem prominenten Fall einen Gutachter von außen bestellen müssen. Spätestens nachdem der Befund des Gutachters Stefan Rohrbacher durch eine Indiskretion in der Öffentlichkeit gelandet war, hätte die Universität die Notbremse ziehen und einen Zweitgutachter zu Rate ziehen sollen. Mit Verweis auf das unglücklich gelaufene Verfahren wäre dies ohne Schaden möglich gewesen.

Schavan wiederum, die von dem Vorwurf, es gebe in ihrer vor mehr als 30 Jahren verfassten Dissertation eine "leitende Täuschungsabsicht" bis ins Mark getroffen ist und diesen Vorwurf mit echter Empörung von sich weist, hat im Kampf um ihre Ehre harte Bandagen angelegt. Es war für die versierte und im Wissenschaftsbetrieb bestens verdrahtete Ministerin ein Leichtes, zahlreiche prominente Fürsprecher aufzubieten und damit die Uni Düsseldorf schlecht aussehen zu lassen. Auch die Argumente ihrer Fürsprecher wiegen schwer. Zugleich ließ sie der Uni über ihre Anwälte untersagen, sich zu dem Verfahren eigenmächtig zu äußern. Seitdem steht die Universität isoliert da. Nur mit einem externen Gutachter wird sich der Konflikt auflösen lassen. Mit jedem Tag ohne Auftrag für eine zweite Meinung nehmen beide Seiten weiter Schaden.

Für die Ministerin für Bildung und Forschung ist dies dramatisch. Denn unabhängig vom Ergebnis des Verfahrens bedroht eine Eskalation des Streits mit der Uni ihre Existenz. Je heftiger der Fall in der Öffentlichkeit debattiert wird, desto größer die Gefahr, dass Schavan in der wahlkämpfenden CDU als nicht mehr haltbar gilt.

Positiv ist, dass der Dekan der Philosophischen Fakultät, in dessen Händen der Fortgang nun liegt, gestern deutlich machte, es gehe um ein ergebnisoffenes Verfahren. Diese Feststellung verschafft beiden Seiten eine Atempause und kann die Fronten etwas aufweichen.

(csi)