Monitor Familienleben 2010: Ministerin fordert flexiblere Arbeitszeiten

Monitor Familienleben 2010 : Ministerin fordert flexiblere Arbeitszeiten

Berlin (RPO). Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es einer neuen Studie zufolge nach wie vor gravierende Defizite. 63 Prozent aller Deutschen äußerten sich beim am Dienstag in Berlin vorgestellten "Monitor Familienleben 2010" unzufrieden. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) kündigte Verbesserungen an. Wesentlich sei dabei der Faktor Zeit. Arbeitszeit soll flexibler werden.

Die Kritik an Politik und Wirtschaft ist groß. Eltern minderjähriger Kinder zeigten sich noch kritischer: Väter bewerteten zu 68 Prozent die Vereinbarkeit als nicht gut, Mütter sogar zu 72 Prozent. Die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, sagte, nach wie vor sehe eine "überwältigende Mehrheit" dieses Thema als schwierig an.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) kündigte bei der Vorstellung des "Monitors" verstärkte Bemühungen um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an. Dabei gehe es besonders um den Faktor Zeit. "Zeit ist die Leitwährung moderner Familienpolitik", meinte sie.

Dafür brauche es flexiblere Arbeitszeiten und eine Unternehmenskultur, die nicht nach der Präsenz von Mitarbeitern, sondern nach deren Qualität und "Output" frage. Im Oktober will Schröder mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag eine Initiative "Flexible Arbeitszeiten" starten.

Laut "Monitor" sehen mehr als 90 Prozent der Deutschen Staat und Unternehmen in gleicher Weise für eine bessere Vereinbarkeit in der Pflicht. Das gelte noch deutlicher für Schritte, die Berufstätigen die Pflege von Angehörigen erlauben würden. Dabei setzten die meisten auf die familiäre Pflege.

Laut Umfrage sieht nur jeder 20. die Versorgung in einem Pflegeheim als beste Form der Betreuung an; dagegen plädieren 65 Prozent der Bevölkerung und sogar 76 Prozent der Befragten mit pflegebedürftigen Angehörigen auf die Versorgung im Familienkreis.

Doch mehr als 50 Prozent der Berufstätigen, die einen Angehörigen pflegen, bekommen Job und Pflege nur schwer oder sehr schwer unter einen Hut. Gerade für männliche Arbeitnehmer gehen mit dem Wunsch, im Beruf wegen familiärer Pflege kürzer zu treten, offenbar vielfach Probleme einher.

Mit Blick auf Erwartungen an die Familienpolitik erreichte sowohl in der Gesamtbevölkerung (69 Prozent) als auch bei den Eltern minderjähriger Kinder (78 Prozent) die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf den höchsten Wert. Als besonderes Problemfeld benannte Köcher die Ferienzeiten. Betreuungseinrichtungen richteten sich vielfach nach Schulferien.

So hätten 41 Prozent der berufstätigen Mütter von Kindern zwischen 6 und 13 Jahren in Ferienzeiten Probleme, die Betreuung zu organisieren. Ähnlich hoch sei die Unzufriedenheit darüber, dass Schul- und Betreuungszeiten zu wenig auf Arbeitszeiten abzustimmen seien.

Das Elterngeld, eine seit 2007 geleistete Lohnersatzleistung im ersten Jahr nach der Geburt, bewerteten vier von fünf Befragten als gute Regelung. Das ist der höchste Wert, seit die Frage erstmals gestellt wurde. 2007 lag die Zustimmung bei 67 Prozent, 2009 bei 79 Prozent. Den "Monitor Familienleben" erstellt Allensbach jährlich für das Familienministerium.

(KNA/csi)
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