Viele Flughäfen sind überlastet: Minister plant elektronische Passkontrollen

Viele Flughäfen sind überlastet : Minister plant elektronische Passkontrollen

Wegen der steigenden Passagierzahlen sollen bis Ende 2013 an den großen deutschen Flughäfen, darunter Düsseldorf, automatische Passkontrollen eingeführt werden.

EU-Bürger, die aus Nicht-Schengen-Staaten einreisen und einen elektronischen Reisepass besitzen, sollen so schneller durch die Abfertigung gelangen.

Die Kontrollen erfolgen zunächst auf freiwilliger Basis. Voraussetzung ist ein elektronischer Reisepass oder ein Personalausweis mit integriertem Daten-Chip. Nach den Terroranschlägen in den USA 2001 wurden weltweit Pässe mit biometrischen Daten eingeführt, in Deutschland seit 2005. Langfristig sollen automatische Kontrollen Standard werden.

Bei dem sogenannten Easy-Pass-Verfahren scannen Reisende ihren Pass an einem Lesegerät und gehen anschließend durch eine Schleuse, in der eine Gesichtserkennungssoftware die Identität der Person mit dem Lichtbild im Pass abgleicht. Das Bundesinnenministerium bestätigte auf Anfrage, dass erste deutsche Airports noch dieses Jahr mit solchen "Easy-Pass"-Schleusen ausgestattet werden sollen.

Maximal 18 Sekunden soll die Kontrolle künftig pro Reisendem dauern. Die persönliche Überprüfung durch die Grenzpolizisten dauert im Schnitt 30 Sekunden. Derzeit sucht das Innenministerium einen Dienstleister für den Einbau der Anlagen. Der Marktführer, das portugiesische IT-Unternehmen Visionbox, hat gute Chancen auf den Zuschlag. Visionbox hat bereits in Portugal, Finnland, den Niederlanden und Großbritannien Anlagen installiert.

Die automatischen Grenzkontrollen sollen den erwarteten Passagierzuwachs an den Flughäfen auffangen und zugleich den Kampf gegen den Terrorismus durch eine erhöhte Fälschungssicherheit der Dokumente erleichtern. Erste Schleusen sollen in Düsseldorf, Frankfurt und München installiert werden. Das Innenministerium wies darauf hin, dass im Vergleich zu den bisherigen Kontrollen keine zusätzlichen Personendaten gespeichert würden.

Die Kosten für die Installation trägt die Bundespolizei als Auftraggeber. Auswirkungen auf die Flugpreise sind daher nicht zu erwarten. Der Flughafenverband nannte den Einsatz der automatisierten Grenzabfertigungsverfahren angesichts des Passagierwachstums "begrüßenswert". Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte indes vor Entlassungen bei der Bundespolizei. "Keine Technik kann das menschliche Urteilsvermögen ersetzen", sagte Gewerkschafts-Chef Rainer Wendt.

(brö)
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