Kommentar zum Kopftuchverbot: Ein Verbot wäre der Umweg der Faulen

Kommentar zur Debatte : Ein Kopftuchverbot wäre der Umweg der Faulen

Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen, ist nicht absurd, wie die Integrationsbeauftragte gesagt hat, es ist schlicht und ergreifend falsch. Das ändert aber nichts daran, dass ein Kopftuchverbot an Grundschulen kontraproduktiv ist.

Jedes Mädchen soll sich so frei es geht entfalten, seine Haare in Locken oder als Zöpfe, kurz oder lang, wild oder brav tragen. Das ändert aber nichts daran, dass ein Kopftuchverbot an Grundschulen falsch und sogar kontraproduktiv ist.

Denn das eigentliche Problem ist nicht das achtjährige Mädchen mit Kopftuch, das Problem sind seine Eltern, die das Kopftuch auferlegen. Und statt sich mit ihnen zu befassen, setzt ein solches Verbot bei den Schwächsten an, den Kindern. Jeder, der ein Verbot fordert, soll sich für einen Moment in dieses Mädchen hineinversetzen: Das Mädchen soll auf Geheiß der Eltern ein Kopftuch tragen und weiß, dass das verboten ist in der Schule. Das Mädchen wird dieses Verbot kaum von der eigenen Person trennen können. Es wird sein Kopftuch vermutlich vor dem Unterricht ausziehen und nach der Schule wieder auflegen. Es wird aber immer das Gefühl haben, etwas Verbotenes zu tun, mal in den Augen der Eltern, mal in denen der Schule. Was ist damit gewonnen?

Ein Kopftuchverbot löst die Probleme nicht, es mildert - wenn überhaupt - ein Symptom. Wer sich redlich um junge Mädchen und ihr Seelenleben sorgt, der muss einen anderen Weg gehen: den über die Eltern. Mit ihnen muss man sich an einen Tisch setzen, mit ihnen reden und sie zu überzeugen versuchen – gemeinsam mit den vielen neuen islamischen Religionslehrern, denen im Gegensatz zur Klassenlehrerin kein muslimischer Vater vorwerfen kann, er habe ja keine Ahnung vom Islam oder wolle ihn wegen seines Glaubens diskriminieren. Ja, dieser Weg ist anstrengender, er erfordert ein paar mehr Gedanken und ein bisschen mehr Mühe. Aber niemand hat gesagt, dass Integration nicht anstrengend wäre – für alle Beteiligten.

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