Michael Müller: Vom Bürokaufmann zum Bürgermeister Berlins

Michael Müller : Vom Bürokaufmann zum Verwaltungschef der Hauptstadt

Michael Müller übernimmt am 11. Dezember die Regierungsgeschäfte in der Hauptstadt. Der 49-Jährige stammt aus einfachen Verhältnissen und trat mit gerade einmal 17 Jahren in die SPD ein. Er gilt als einer von Wowereits engsten Vertrauten.

Dass die Wahl gleich im ersten Anlauf auf ihn fällt, hat selbst Michael Müller überrascht. "Es freut mich wahnsinnig", sagt der Stadtentwicklungssenator am Samstag in der Berliner SPD-Landesparteizentrale, als klar ist, dass die Mitglieder ihn als Nachfolger von Klaus Wowereit im Amt des Regierenden Bürgermeisters sehen wollen. "Damit habe ich nicht gerechnet". Doch das Votum war mehr als eindeutig: Knapp 60 Prozent entschieden sich für den 49-Jährigen, der als solider Arbeiter ohne Charisma gilt - und damit ganz anders ist als Wowereit.

Müller war es, der im Rennen um die Nachfolge Wowereits als letzter seinen Hut in den Ring warf - und nun seine beiden Kontrahenten, den SPD-Landesvorsitzenden Jan Stöß und den Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, weit abgeschlagen hinter sich ließ. Sein Plus ist die Regierungserfahrung, die er als einziger vorweisen kann. Doch seine Bilanz im Amt des Stadtentwicklungssenators, das er seit 2011 innehat, ist nicht ungetrübt: Müller hat die Wohnungsmisere mit steigenden Mieten mit zu verantworten und den für den Senat gescheiterten Volksentscheid zur Bebauung des früheren Flughafens Tempelhof.

Nach seinen Prioritäten als künftiger erster Mann Berlins gefragt, sagt Müller: "Arbeitsplätze und bezahlbaren Wohnraum schaffen" - zwei Ziele, die allzu allgemein klingen. Noch fehlt es ihm an Profil. Fast hager, mit einer randlosen Brille und schmalen Lippen wirkt der Landesvater in spe so ganz anders als der immer präsente Wowereit, der Menschen mit seiner emotionalen Ausstrahlung schnell für, aber auch gegen sich einnimmt.

"Ich gebe zu, der Glamour-Faktor hat noch Luft nach oben", gab Müller im parteiinternen Wahlkampf zu. Der am 9. Dezember 1964 in Berlin geborene Politiker versucht aber erst gar nicht, Wowereit nachzuahmen. Seine Rolle ist die des soliden Machers, des Berliner Jungen aus der Arbeiterschicht, der sich hochgearbeitet und dabei die Bodenhaftung behalten hat.

Müller ist im Stadtteil Tempelhof beheimatet, wo die kleinen Leute wohnen und Hipster und Touristen sich selten hin verlaufen. Nach Ausbildungen zum Drucker und zum Bürokaufmann machte er sich in den achtziger Jahren selbstständig. 1981, mit gerade einmal 17 Jahren, trat er in die SPD ein und kam dort stetig voran: vom Abteilungsvorsitzenden zum Abgeordneten im Abgeordnetenhaus.

Als Klaus Wowereit 2001 Regierender Bürgermeister wurde, wurde Müller Fraktionsvorsitzender und unterstützte den Regierungschef, wo immer möglich. Er wurde einer von Wowereits wichtigsten Weggefährten.

Als der Stern des Regierenden Bürgermeisters im Zuge des Skandals um den Großflughafen BER zu sinken begann, blieb auch Müllers Karriere davon nicht unberührt. 2012 stieß ihn Stöß vom Thron des Landesvorsitzenden der Partei und nahm diesen selbst ein. Danach galt Müller als Wowereits Kronprinz als erledigt.

Sein Erfolg vom Samstag bedeutet für ihn deshalb mit Sicherheit auch eine späte Genugtuung, doch auf seine Konkurrenten angesprochen gibt er sich gnädig. "Ich gucke nicht zurück", erklärt er fest. Von seiner Seite gebe es hinsichtlich der Führungsposten in Partei oder Fraktion "nichts zu entscheiden". Ihrer Zusammenarbeit versicherten sich die drei Konkurrenten vor laufenden Kameras mehrfach gegenseitig.

Rückendeckung ist für Müller auch entscheidend: Ohne ein starkes Führungsteam könnte es ihm passieren, dass er nur kurze Zeit Regierender Bürgermeister von Berlin ist. Die nächsten Landtagswahlen stehen bereits in zwei Jahren an. Dass die SPD aus ihnen als stärkste Partei hervorgeht, ist noch längst nicht ausgemacht.

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(AFP)