Duell der Vorsitzenden Merz und Lang - schwarz-grüner Flirtfaktor bei Null

Analyse | Berlin · Zumindest reden sie miteinander, der Unionsvorsitzende und die Grünen-Chefin. Doch Friedrich Merz und Ricarda Lang nähern sich bei einem Streitgespräch kaum an. Schwarz-Grün im Bund scheint daher in weiter Ferne. Andere freut’s.

CDU-Chef Friedrich Merz hat die Grünen zum Hauptgegner der Union in der Bundesregierung erklärt (v.r.): Ricarda Lang, Omid Nouripour und Annalena Baerbock.

CDU-Chef Friedrich Merz hat die Grünen zum Hauptgegner der Union in der Bundesregierung erklärt (v.r.): Ricarda Lang, Omid Nouripour und Annalena Baerbock.

Foto: dpa/Boris Roessler

Es heißt, das Gespräch sei durchaus hart gewesen im Spreezimmer des Bundestages. Nicht pampig, aber weder CDU-Chef Friedrich Merz noch die Grünen-Co-Vorsitzende Ricarda Lang hätten sich beim Doppelinterview für die „FAZ“ etwas geschenkt. Es heißt freilich auch, eigentlich seien die Drähte zwischen Grünen-Spitze und Unionsführung gut, man rede viel miteinander, „da dringt nie was raus“, so ein Insider. Doch auch nach dem Aufeinandertreffen tendiert der schwarz-grüne Flirtfaktor weiter gen Null.

Das war auch schon mal anders. Vor vier Jahren trafen sich die damalige CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zum Interviewgipfel; man schmeichelte und lobte sich, eine schwarz-grüne Zusammenarbeit sei durchaus möglich, gaben beide in großer Vorfreude zu Protokoll. Davon sind Union und Grüne nun wieder meilenweit entfernt.

Vor allem, seit Merz die Grünen zum Hauptgegner „in dieser Bundesregierung“ (ein Zusatz, der gerne unterschlagen wird) erkoren hat. „In den Ländern ist das etwas anderes“, heißt es aus seinem Umfeld. Schließlich arbeiten Union und Grüne in sechs Landesregierungen zusammen. Merz sollen auch unionsinterne Umfragen dazu bewogen haben, die Grünen ins Visier zu nehmen. Der Ratschlag der Demoskopen: stärker abgrenzen, vor allem im Osten.

Der Hauptgegner-Satz sorgte allerdings für Irritationen und auch Ärger in der eigenen Partei. Gerade wegen des Erstarkens der AfD. Im Doppelinterview - die Idee soll Merz und Lang auf dem letzten Bundespresseball gekommen sein, als man gemeinsam an einem Tisch saß - untermauerte der CDU-Chef eher seine Anti-Grünen-Haltung. „Ich habe in meinen fast 20 Jahren im Parlament viel handwerklich schludrige Arbeit erlebt. Aber mit dem, was Sie hier machen, beschädigen Sie nicht nur Ihr Ansehen. Sie beschädigen unsere Demokratie“, ätzte Merz.

Lang räumte ein, dass das Verfahren beim Heizungsgesetz „kein Glanzstück“ gewesen sei. „Wir haben als Ampel offensichtlich zu wenig Verlässlichkeit ausgestrahlt.“ Auch beim Thema Wirtschaft und Klimaschutz zeigte sich, dass die Gräben derzeit noch unüberwindbar sind. Und was die AfD angeht, riet Lang Merz: „Jeder sollte schauen, welchen Anteil er trägt, und die Schuld nicht nur bei anderen suchen.“ Am Ende betonten beide, der Umgang sei „anständig“. In der politischen Auseinandersetzung ist vieles dann auch Theaterdonner.

Diesmal scheinen die Ressentiments aber tiefer zu sitzen. Wenn’s hakt, soll in der Ampel inzwischen häufiger die spöttische Frage fallen: „Oder wollt ihr es mit Merz zusammen machen?“ Der CDU-Chef sei die „Hauptstütze dieser Koalition“, stichelte der Grünen-Politiker Anton Hofreiter. Auch aus der SPD, wo das Interview genau gelesen wurde, gab es eine Breitseite gegen den CDU-Chef: „Merz erweist sich bei den wichtigen Fragen dieser Zeit erneut orientierungslos“, so etwa Fraktionsvize Dirk Wiese zu unserer Redaktion. „Ohne eigene Regierungserfahrung ist Merz als Oppositionsführer schon nach eineinhalb Jahren überfordert.“

Gleichwohl konnte sich Wiese einen Seitenhieb gegen den Koalitionspartner nicht verkneifen. Die dringend notwendige Gesetzgebung müsse besser kommuniziert und erklärt werden. „Eine Kopf-durch-die-Wand-Politik darf hier keine Schule machen. Das ist allen in der Koalition klar - mittlerweile auch unseren Koalitionspartnern“, so Wiese spitz. Nach der Sommperpause dürfte sich das zeigen.

(has)
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