1. Politik
  2. Deutschland

Deutsche Politiker im Reich der Mitte: Merkels Charmeoffensive in China

Deutsche Politiker im Reich der Mitte : Merkels Charmeoffensive in China

Während Europa versucht, gegen die Krise anzukämpfen, ist China stark wie nie. Kanzlerin Angela Merkel besucht in diesem Jahr schon zum zweiten Mal das Reich der Mitte. Und auch für China sind die Beziehungen nach Deutschland wichtig: Mit keinem anderen Regierungschef treffen sich die Chinesen so oft wie mit der deutschen Kanzlerin.

Wie die Zeiten sich ändern können: Vor fünf Jahren noch sah das deutsch-chinesische Verhältnis nicht so rosig aus. Damals hatte Angela Merkel das geistliche Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, im Kanzleramt empfangen. Damals waren die Politiker in China empört über diesen "Gedankenaustausch".

Beziehungen besser als je zuvor

Das war vor fünf Jahren, jetzt scheinen die Beziehungen der beiden Staaten besser als je zuvor. Schon zum zweiten Mal besucht Angela Merkel in diesem Jahr ihre chinesischen Kollegen. Dabei begleiten sie eine Wirtschaftsdelegation und — trotz Sommerpause — sieben Minister und zwei Staatssekretärinnen. Das wirkt ungewöhnlich, hat die Kanzlerin doch im krisengeschüttelten Europa genug Aufgaben, denen sie sich widmen muss.

China gehört zu den wenigen Ländern, mit denen Deutschland in einem bestimmten Rhythmus Regierungskonsultationen pflegt. Auch für die Chinesen scheint der Kontakt mit Deutschland etwas Besonderes zu sein: Mit keinem anderen Land haben sie solch einen regelmäßigen Kontakt.

Auch bei dem Treffen am Donnerstag würdigten die beiden Politiker den hohen Wert der diplomatischen Beziehungen: Die Kanzlerin erklärte in der chinesischen Hauptstadt, zwischen beiden Regierungen seien kontinuierliche und permanente Kontakte entstanden. So sei eine "sehr viel direktere und auch Schwierigkeiten überwindende Art und Weise der Kooperation" möglich. Auch ihr Kollege, der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao, sprach von einem "Geist der Kooperation". Wen sagte, die politischen Beziehungen seien in diesen vier Jahrzehnten auf eine neue Ebene gelangt.

Alle zwei Jahre

Zunächst war verabredet, die Regierungskonsultationen alle zwei Jahre durchzuführen. Sie sollten abwechselnd in Berlin und Peking stattfinden. Nun soll Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao darum gebeten haben, mit der nächsten Begegnung nicht bis 2013 zu warten. Und das, obwohl er Angela Merkel schon im Frühjahr bei der Hannover-Messe getroffen hatte und sie im Frühjahr schon einmal in China war. Doch Wen Jiabao wollte es sich nicht nehmen lassen, noch bei den Konsultationen dabei zu sein. Denn im Herbst wird er aus seinem Amt ausscheiden.

Zwei Naturwissenschaftler

Gerade Wen Jiabao, der in China auch "Opa Wen" genannt wird, soll sich besonders gut mit der Kanzlerin verstehen. Das erklärt auch, warum Merkel ihm den Wunsch erfüllt, die Regierungskonsultationen vorzuziehen. Wieso sie das macht? Das könnte daran liegen, dass Wen Jiabao — wie die Kanzlerin — von Haus aus Naturwissenschaftler ist. Er hat Geologie studiert, Merkel studierte Physik. Das scheint die beiden in ihrer nüchternen Art zu verbinden.

Inhaltlich geht es vor allem um wirtschaftliche Themen. Denn wirtschaftlich sind Deutschland und China eng verflochten. Das Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr 144 Milliarden Euro und war im Vergleich zum Jahr 2010 um elf Prozent gestiegen. Kein anderes europäisches und asiatisches Land haben so enge Handelsbeziehungen. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Rohstoffe, zum Beispiel die "Seltenen Erden", deren Produktion zu 97 Prozent in chinesischer Hand ist.

Euro-Krise

Auch in der Euro-Krise kommt China eine wichtige Rolle zu: Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds, der auch in den Griechenland-Hilfen engagiert ist. Zudem verfügt China über große Devisenreserven. Der davon in Euro angelegte Teil wurde zuletzt auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt. China jedenfalls hat großes Interesse daran, dass der Euro, als Gegengewicht zum Dollar, erhalten bleibt.

Forderungen hat die Kanzlerin auch im Gepäck: Die Märkte sollen nach internationalen Regeln geöffnet sein, der Zugang zum Markt soll für alle möglich sein. Außerdem soll es um den Schutz des geistigen Eigentums gehen.

Das heikle Thema Menschenrechte will Merkel bei ihren Gesprächen ebenfalls ansprechen. Deutsche Journalisten hatten zuvor einen Brief an die Kanzlerin geschrieben und sie dazu aufgefordert, sich für freie Arbeitsbedingungen der Medien einzusetzen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: China empfängt Merkel mit militärischen Ehren

(das)