Feiern zum Ersten Weltkrieg: Merkels bewegende Geste in Paris

Feiern zum Ersten Weltkrieg : Merkels bewegende Geste in Paris

Paris/Berlin (RPO). Angela Merkel zeigte sich "tief bewegt", Nicolas Sarkozy sprach von einer "außergewöhnlichen Geste der Freundschaft" – Deutschland und Frankreich haben unter dem Triumphbogen den Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg gefeiert.

Paris/Berlin (RPO). Angela Merkel zeigte sich "tief bewegt", Nicolas Sarkozy sprach von einer "außergewöhnlichen Geste der Freundschaft" — Deutschland und Frankreich haben unter dem Triumphbogen den Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg gefeiert.

Für den französischen Präsidenten Sarkozy war die feierliche Zeremonie am Mittwoch der Auftakt zu einer neuen Qualität der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Die Deutschen sind da vorerst etwas skeptischer.

Nie zuvor haben ein französischer Präsident und ein deutscher Kanzler gemeinsam unter dem Triumphbogen der Millionen Toten des Ersten Weltkrieges gedacht, in dem sich beide Länder als erbitterte Feinde gegenüberstanden.

Sarkozy will damit an die Aussöhnungsgeste von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Präsident François Mitterrand vor 25 Jahren anknüpfen, als beide Staatsmänner Hand in Hand bei Verdun an die Toten der Weltkriege erinnerten. Merkel würdigte in Paris die "Kraft der Versöhnung". Für sie nährt die deutsch-französische Freundschaft auch anderswo in der Welt die Hoffnung, dass "tiefe Gräben überbrückt und überwunden werden können".

Tatsächlich war der 11. November, der in Frankreich ein Feiertag ist und in Deutschland nicht, immer ein schwieriges Gedenken. Schon 1998 hatte der frühere Präsident Jacques Chirac Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dazu nach Frankreich eingeladen. Doch der hatte abgelehnt - aus Terminschwierigkeiten, wie er angab.

Auch für Sarkozy war die Organisation des neuen Gedenkens nicht ganz einfach. Bevor er Merkel empfing, legte er zuerst allein einen Kranz an der Statue des Weltkriegsregierungschefs George Clemenceau ab, der in Frankreich als "Vater des Sieges" über Deutschland verehrt wird.

"Tag der deutsch-französischen Aussöhnung"

Neun Jahrzehnte nach dem Weltkriegsende will Sarkozy aus dem 11. November nun dauerhaft einen "Tag der deutsch-französischen Aussöhnung" machen. Diese sehr demonstrative Art, das beiderseitige Verhältnis zu betonen, ist für den innenpolitisch angeschlagenen Präsidenten nur der Beginn. Seit dem Sommer überschlägt sich Paris regelrecht damit, Vorschläge für eine verstärkte Kooperation nach Berlin zu schicken - wohl auch, um Sarkozys anfangs eher schwieriges Verhältnis zu Merkel vergessen zu machen.

"Es stimmt, dass Sarkozy zum Beginn seiner Amtszeit sich stärker auf Großbritannien zu stützen schien", sagt ein französischer Minister. "Heute geht es um die Rückkehr zum Grundsätzlichen. Und das Grundsätzliche in Europa ist das französisch-deutsche Duo."

"Wenn Deutschland und Frankreich zusammen handeln, können sie große Dinge vollbringen", sagte Sarkozy am Mittwoch. Wie so oft haben Symbole dabei in Frankreich einen höheren Stellenwert als in Deutschland. Paris will deshalb den Posten eines deutsch-französischen Ministers schaffen, der in beiden Kabinetten vertreten ist. In Berlin stößt dies auf keine Begeisterung: "Wir müssen die Realität im Blick behalten", sagt der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP). "Diese doppelte Kabinettszugehörigkeit stößt an praktische und rechtliche Grenzen."

Auch Henrik Uterwedde vom Deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg sieht keinen "Mehrwert" in einem solchen Minister. "Was bringt das mehr als die bisherigen Europaminister, die für die interministerielle Kooperation zuständig sind?", fragt er. "Besser wäre es, wenn die beiden Regierung sich auf einige Projekte einigen könnten und sagen, das ziehen wir jetzt durch."

Daran arbeitet Hoyer mit dem französischen Europastaatssekretär Pierre Lellouche. Aus deutscher Sicht interessant sind Projekte beim Klima- und Umweltschutz, in der Raumfahrt und in der Verteidigung. Doch wie so oft sind die Interessen im Detail sehr unterschiedlich. Im Januar wird entschieden, ob es bei Symbolen bleibt oder ob auch konkrete Vorhaben Wirklichkeit werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Merkel bei Gedenkfeiern in Frankreich

(AP/AFP/pst)
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