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Rede vor dem Caritasverband: Merkel verteidigt Betreuungsgeld

Rede vor dem Caritasverband : Merkel verteidigt Betreuungsgeld

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat erneut die Einführung des Betreuungsgeldes verteidigt. Sie sei zunächst eine große Skeptikerin dieser Familienleistung gewesen, erklärte Merkel beim Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes am Donnerstagabend in Berlin.

Inzwischen sehe sie das Betreuungsgeld als ein Signal an die Eltern, die ihr Kind auch im zweiten und dritten Lebensjahr noch zu Hause betreuen möchten. "Wir müssen respektvoll mit den Lebenswünschen von Familien umgehen", so Merkel. "Zugleich müssen wir alles tun, damit sich diese Lebenswünsche realisieren lassen", erklärte die Bundeskanzlerin.

Am Jahresempfang nahmen auch der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler, der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, die Kirchenbeauftragte der SPD-Fraktion, Kerstin Griese, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Gerda Hasselfeldt sowie der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, teil.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, warnte bei der Veranstaltung vor einer "Verzweckung und Funktionalisierung" der Familienpolitik. Eine Politik, die primär an der "Marktfähigkeit" des Menschen und am "Humankapital" der Familien interessiert sei, werde den eigentlichen familiären Belangen nicht gerecht, sagte Zollitsch.

Zollitsch betonte, Familien bräuchten Handlungsräume, damit sie sich in unterschiedlichen Lebensphasen möglichst frei entscheiden könnten. Dazu gehöre auch, Eltern unabhängig vom Kita-Ausbau in ihrem Erziehungsauftrag zu stärken und sie zwischen unterschiedlichen Familienmodellen wählen zu lassen. Es sei deshalb plausibel, sowohl eine finanzielle Anschlussleistung an das Elterngeld als auch einen Anspruch auf Kindertagesbetreuung zu gewähren, sagte der Erzbischof.

Zugleich plädierte Zollitsch für die Beibehaltung des Ehegattensplittings. Es diene der Steuergerechtigkeit und schütze die Ehe als Erwerbs- und Verbrauchsgemeinschaft in besonderer Weise. Es dürfe auch bei einer möglichen Ausweitung in ein Familiensplitting in seinem Bestand nicht gefährdet werden, so der Erzbischof.

Caritas-Präsident Peter Neher mahnte ebenfalls mehr Unterstützung für Familien an. Der Arbeitsmarkt müsse familienfreundlicher werden, nicht die Familien arbeitsmarktgerechter, forderte Neher. Notwendig sei eine solidarische Politik, die deutlich mache, dass die Unterstützung von Familien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. "Familienpolitik muss Querschnittspolitik werden", so Neher.
Entscheidungen in der Steuer- und Rentenpolitik sowie in der Wohnungs-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik müssten das Kriterium der Familientauglichkeit erfüllen.

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Auch gesellschaftlich sei ein Umdenken erforderlich, erklärte Neher.
So müsse die Einsicht wachsen, dass arbeitende Mütter und Väter zugleich gute Erzieherinnen und Erzieher für kleine Kinder sein könnten. Auch solle die Gesellschaft Lärmen und Toben von Kindern nicht als Störung auffassen.

(KNA/felt)