Merkel-Nachfolger in der CDU: Mike Mohring gegen Kandidatur von Friedrich Merz

Interview mit Mike Mohring: „Merz ist Mythos“

In der CDU läuft die Debatte über die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze. Dabei wird auch über eine Kandidatur von Friedrich Merz spekuliert. Thüringens CDU-Chef Mike Mohring spricht sich dagegen aus.

Herr Mohring, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel verzichtet nach 18 Jahren auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz. Sie ist die erste der drei angeschlagenen Parteichefs der Koalitionsparteien, die Konsequenzen zieht. Sollten es CSU-Chef Horst Seehofer und die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles ihr gleich tun?

Mohring Es steht mir nicht zu, über die Belange von CSU und SPD zu urteilen. Aber der Prozess, wie ihn Angela Merkel souverän gelöst hat, ist beispielhaft.

Erklärung im Wortlaut: Angela Merkel verzichtet auf den CDU-Parteivorsitz

In der CDU bewerben sich gleich mehrere Kaliber um Merkels Nachfolge: Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz. Für wen sind Sie?

Mohring Ich bin ein Fan von Friedrich Merz. Aber Merz ist Mythos. Wir haben in der Partei eine neue Lage und eine Chance und sollten in einem klugen Prozess die Spielräume dieser Lage nutzen. Dazu gehört auch abzuwarten, wer sich wirklich um den Parteivorsitz bewirbt.

Und sind Sie für Frau Kramp-Karrenbauer oder für Jens Spahn?

Mohring Die beiden müssen sich verständigen, was mit demjenigen passiert, der verliert. Zu einer Neuaufstellung gehören auf alle Fälle AKK und Spahn dazu. Es wäre ein Verlust für die CDU, wenn einer von beiden nach der Vorstandswahl geschlagen vom Platz gehen müsste. 

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Wie lange hält jetzt noch die große Koalition im Bund?

Mohring Ich glaube, dass es bis 2021 klappt. Die SPD kann angesichts ihrer Schwäche kein Interesse an Neuwahlen haben.

Dann hätte Angela Merkel 16 Jahre regiert. Was halten sie von der JU-Forderung, die Amtszeit auf drei Wahlperioden zu begrenzen?

Mohring Drei Wahlperioden hören sich vernünftig an.  

2019 ist Landtagswahl in Thüringen, wo sehen Sie sich in der „neuen“ CDU?

Mohring Ich möchte ins Präsidium aufrücken und beim Neuaufbau der CDU mithelfen. Es werden drei Plätze frei, über die beim Parteitag entschieden wird: Annegret Kramp-Karrenbauer gehört nun als Generalsekretärin dem Gremium an, damit ist ihr vorheriger Platz als Ministerpräsidentin frei. Thomas de Maizière verlässt das Präsidium und Wolfgang Schäuble gehört als Bundestagspräsident nicht mehr dazu. Ich möchte den Rückenwind, den man durch einen Präsidiumsplatz bekommen kann, für den Wahlkampf gegen die rot-rot-grüne Landesregierung in Thüringen nutzen. Es wäre eine Riesenhilfe, wenn der Bundesparteitag Michael Kretschmer, der in Sachsen ebenfalls eine Wahl bestreiten muss, und mich unterstützen würde – also zwei neue Präsidiumsmitglieder aus Ostdeutschland auch mit dem Blick auf die besondere Herausforderung im Wahlkampf dort.

(kd)
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