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Mathe-Abi 2019: Zehntausende Schüler protestieren - angeblich zu schwer

Angeblich zu schwer : Zehntausende Schüler protestieren gegen Mathe-Abi

Immer mehr Abiturienten in ganz Deutschland beklagen sich über zu schwierige Mathe-Prüfungen. Und fordern via Online-Petitionen Anpassungen bei den Bewertungen. Nicht alle sind jedoch von den Argumenten der Abiturienten überzeugt.

(dpa) Angesichts der wachsenden Proteste von Schülern gegen das diesjährige Mathematik-Abitur wird der Ruf nach Überprüfung der Aufgaben lauter. Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, sagte, geklärt werden müsse, ob die Aufgaben inhaltlich und zeitlich zu bewältigen seien. Wenn sich herausstelle, dass die Kritik berechtigt sei, könnten die Prüfungen weniger streng bewertet oder neu abgelegt werden.

Am Montag schlossen sich mehrere Tausend Schüler in mittlerweile fast allen Bundesländern den Protesten an und forderten eine Senkung des Bewertungsmaßstabs. In Bayern, Niedersachsen und Bremen kündigten die Kultusministerien an, die Prüfungen zu überprüfen. In Thüringen will das Bildungsministerium zunächst den Notendurchschnitt und Rückmeldungen der Fachlehrer abwarten. Aus Sicht des Berliner Senats sind derzeit keine Konsequenzen nötig.

Am Wochenende hatten sich Zehntausende Schüler in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben beschwert und Online-Petitionen an die Ministerien gerichtet. Am Montag kamen einige Hundert Schüler aus Nordrhein-Westfalen sowie weitere aus Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein hinzu, so dass die Zahl am Nachmittag auf rund 70.000 stieg, davon rund 60.000 in Bayern.

Die Abiprüfungen in den Ländern bestehen laut VBE aus einer Mischung aus landesspezifischen und einheitlichen Aufgaben. Ein gemeinsamer Aufgabenpool stand den Ländern erstmals 2017 in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch zur Verfügung.

Viele Schüler beklagen zu umfangreiche und schwierige Aufgabenteile. Sie seien unverständlich und kompliziert formuliert gewesen. Darüber hinaus seien einige Aufgaben unfair und unbekannt gewesen, es habe keine Vorbereitung gegeben. Demzufolge sei auch die Bearbeitungszeit zu gering gewesen. Je nach Jahrgang gebe es starke Schwankungen im Schwierigkeitsgrad der Prüfungen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sieht dagegen bisher keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwierig waren. „Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten“, sagte er der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, sagte dem Sender Bayern 2: „Das Gefühl, dass die Abiturprüfung, die man gerade geschrieben hat, die schwerste ist, das ist verständlich. Und es ist klar: Die eigene ist immer die schwerste.“

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) verteidigte Abiturprüfungen grundsätzlich gegen Kritik. KMK-Generalsekretär Udo Michallik sagte, die Mathematik-Aufgaben entstünden in einem langwierigen Prozess, an dem Aufgabenkommissionen und Mathematiklehrer beteiligt seien. Die Zugangsberechtigung für Hochschulen müsse „mit einem gewissen Anspruch und einem gewissen Schwierigkeitsgrad“ verbunden sein. Den Lehrern und den einzelnen Ländern müsse nun die nötig Zeit gegeben werden, zu den Prüfungsergebnissen zu kommen und diese auszuwerten.

Mathematik-Fachgesellschaften sorgen sich seit längerem wegen angeblich zu geringer Kenntnisse junger Menschen in dem Fach. So habe zuletzt fast jeder zweite Studienbeginner, der mathematische Grundkenntnisse wie Bruchrechnen brauche, nicht ausreichend über diese verfügt, sagte der Präsident der Mathematiker-Vereinigung, Friedrich Götze.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte es nach Abiturprüfungen Kritik daran gegeben. 2016 war in Niedersachsen diskutiert worden, ob bei den Mathematik-Abi-Klausuren der Bewertungsmaßstab angepasst werden muss. In NRW hatten sich 2018 mehr als 18.000 Schüler in einer Petition gegen die Mathe-Prüfung gewandt. In Brandenburg gab es ein Ergebnis, das den Klagen der Schüler sogar zuwider läuft: Ein emeritierter Professor hatte laut „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ analysiert, die Abschlussprüfungen in Brandenburg seien nicht anspruchsvoll genug. Der Petitionsausschuss des Landtags gab ihm in Teilen recht.