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Maskenpflicht Schule NRW: Die Regelung gilt vorerst bis Ende August

Neue Normalität in den NRW-Schulen : NRW führt Maskenpflicht im Unterricht ein

An allen weiterführenden Schulen müssen Schüler nach den Ferien einen Mund-Nasen-Schutz auch im Klassenzimmer tragen. Die Regelung gilt vorerst bis Ende August. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält die Masken für vernünftig, befürwortet aber eine andere Strategie.

Die NRW-Landesregierung hat zum Schulbeginn nach den Sommerferien am 12. August eine Pflicht zum Maskentragen an allen weiterführenden Schulen auch im Unterricht festgelegt. Das sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag in Düsseldorf. Die Regelung gilt zunächst bis zum 31. August. Sie wird mit der stark gestiegenen Zahl von Covid-19-Infektionen in NRW begründet.

Gebauer stellte klar, die Schulen dürften nicht mit „eigenen Regeln“ von der Maskenpflicht abweichen. Auf das Tragen des Schutzes dürfe nur verzichtet werden, „wenn es mit den pädagogischen Erfordernissen und Zielsetzungen der Unterrichtserteilung nicht vereinbar ist“. Damit seien aber nur spezielle Übungen mit einem Abstand von 1,5 Metern gemeint, keine allgemeine Unterrichtspraxis.

Die rund 2,5 Millionen Schüler in NRW und ihre Eltern müssen die Masken selbst besorgen. Allerdings erhalten die Schulen rund eine Million Exemplare vom Land als Reserve, um in Einzelfällen aushelfen zu können, wenn Schüler ohne Maske erscheinen. An den Grundschulen herrscht die Maskenpflicht nur, bis die Schüler sich auf ihren Platz gesetzt haben und sobald sie ihn wieder verlassen. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen benötigen im Unterricht grundsätzlich keinen Mund-Nasen-Schutz, wenn sie einen Abstand von 1,5 Metern zu ihren Schülern einhalten können.

Die Ministerin sagte, Präsenzunterricht solle die Regel sein, Fernunterricht über das Internet nur die Ausnahme. Allerdings solle in den Fernunterricht gewechselt werden, wenn Quarantäne-Anordnungen dies notwendig machten.

„Das macht das Lernen alles andere als einfacher“, sagte Timon Nikolaou, Vorstand der NRW-Landesschülervertretung. „Sollen wir nun alle paar Stunden eine andere Maske anziehen oder durchgehend eine?“, fragte er.

Der Maskenzwang sei eine „Notlösung“, sagte Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker und Epidemiologe. Die Regel sei zwar vernünftig, um das Infektionsrisiko zu begrenzen. „Aber es wäre klüger gewesen, wenn man deutlich kleinere Klassen einführen würde und einen sehr großen Teil des Unterrichts digital per Homeschooling durchführen würde.“

Die Entscheidung sei „ein Hammer“, reagierte Andrea Heck, Vorsitzende des Elternvereins NRW. „Es wird eine große Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler, das Tragen der Gesichtsmasken durchzuhalten“, ergänzte Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologenverbandes NRW. Sie hält die Maskenpflicht aber für sinnvoll. Stefan Behlau, NRW-Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, sagte: „Wir können nur hoffen, dass wir nach der Startphase zu anderen Lösungen kommen. Das Schulleben wird durch diese Maskenpflicht sehr beeinflusst.“

Die Opposition kritisierte, dass die Digitalisierung der Schulen und des Unterrichts nur langsam vorankomme. Zwar stehen in NRW von Bund und Land mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung, um beispielsweise alle Lehrer und bedürftige Schüler mit Laptops oder Tablet-PCs auszustatten, doch bisher wurden nur 124 Millionen Euro von Kommunen beantragt. „Das wird alles viel zu lange dauern, bis Lehrkräfte und Schüler mit digitalen Endgeräten ausgestattet sind“, kritisierte Thomas Kutschaty, SPD-Fraktionschef im Landtag. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, sagte: „Die Förderrichtlinie kam erst am 21. Juli. Das war viel zu spät.“

Eine mangelhafte Vorbereitung aller Schulen in Deutschland kritisierte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe. „Vermutlich wird keine Schule direkt nach den Sommerferien vollumfänglich den Unterricht wieder aufnehmen können. Von Regelunterricht wird nicht die Rede sein können“, sagte sie. Der Wunsch, wieder richtig zu unterrichten, dürfe nicht zu Leichtfertigkeit führen. Tepe kritisierte weiter: „Die Landesregierungen versprechen zwar viel – die meisten haben aber vor den Sommerferien keine Konzepte für das Unterrichten unter Corona-Bedingungen vorgelegt, die die Schulleitungen in den Ferien hätten umsetzen können.“ Tepe forderte einen „tragfähigen Mix aus Präsenz- und Fernunterricht“. Es sei auch nicht genug im Vorfeld geplant worden – zum Beispiel, wie man mit Reiserückkehrern umgehe.