Masernausbruch: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwägt Impfpflicht

WHO-Ziel in Gefahr : Spahn erwägt Masern-Impfpflicht

Die Debatte um eine Impfpflicht läuft seit Jahren. Bei jedem Masernausbruch keimt sie erneut auf. Gesundheitsminister Spahn (CDU) erwägt nun, für Kita- und Schulkinder zu verbindlichen Regeln zu kommen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Debatte um eine Impfpflicht begrüßt. „Es ist ein Skandal, dass immer mehr Kinder in Deutschland an Masern erkranken“, sagte der Minister und kündigte Gespräche mit der SPD über eine Impfpflicht an. Bei Kitas und Schulen könne man zur Durchsetzung eines Impfstatus kommen, stellte Spahn in Aussicht, ohne sich direkt festzulegen. Spahn bezeichnete es als „schwer erträglich“, dass die Ausrottung der Masern an Europa zu scheitern drohe

Die Debatte über eine Impfpflicht läuft schon seit Jahren. Spahns Vorgänger bezeichneten sie jeweils als „Ultima Ratio“. Als Konsequenz wurde 2016 eine Beratungspflicht für Eltern eingeführt, die ihre Kinder in eine Kita geben. Zudem sind die Kinderärzte gehalten, bei jeder Vorsorgeuntersuchung auch das Impfbuch zu überprüfen.

Eine Impfpflicht könnte im Zweifel nur in Kitas und Schulen umgesetzt werden. Statt einer Beratung zur Impfung könnte der Staat festlegen, dass bestimmte Impfungen erfolgt sein müssen, bevor ein Kind in eine mit öffentlichen Geldern betriebene Einrichtung aufgenommen wird. Einzelne Kitas in NRW haben bereits von sich aus eine solche Impfpflicht eingeführt. Schwierig wird es, wenn die Kinder in die Schule müssen und die Eltern eine Impfung verweigern: Was wiegt dann schwerer - die Impf- oder die Schulpflicht?

Nach Daten des Robert-Koch-Instituts waren fast 99 Prozent der Kinder des Jahrgangs 2010 bei ihrer Einschulung mindestens einmal gegen Masern geimpft. Die zweite für den umfassenden Schutz entscheidende Impfung hatten nur 93 Prozent erhalten, was unter den von der Weltgesundheitsorganisation WHO geforderten mindestens 95 Prozent liegt. Die regionalen Unterschiede sind groß: Während in NRW 94,6 Prozent des Jahrgangs 2010 auch die zweite Impfung aufweisen, sind es in Sachsen nur 81 Prozent.

Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, ist gegenüber einer generellen Impfpflicht skeptisch. Er sieht die wahren Lücken bei den jungen Erwachsenen. Unter Berufung auf eine hauseigene Studie erklärt er, dass bei den 18- bis 44-Jährigen mehr als 40 Prozent nicht gegen Masern geimpft seien. „Diese Altersgruppe wird aber bei Forderungen für eine Impfpflicht nie erwähnt.“ Wieler meint, in Deutschland sei noch eine Menge Luft nach oben, bevor die drastische Maßnahme einer Impfpflicht in Erwägung gezogen werden sollte.

(qua)
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