Martin Schulz: "Deutschland ist kein gerechtes Land"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz : "Deutschland ist kein gerechtes Land"

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will Deutschland zu einem gerechteren Land machen. In einem Interview sprach Schulz unter anderem Probleme auf dem Arbeitsmarkt an.

Schulz möchte zudem Anhänger der AfD zurückgewinnen. "Viele, die AfD wählen oder dies vorhaben, tun das ja nicht, weil sie in der Wolle gefärbte Demokratiefeinde oder Rechtsextremisten sind, sondern weil sie verzweifelt sind", sagte er dem "Spiegel". Mit einer Glorifizierung des Nationalstaats und der Hetze gegen Minderheiten werde jedoch "eine demokratiegefährdende Kraft freigesetzt".

Nicht mit gefährlichen Leuten reden

Er wolle indes nicht "mit den gefährlichen Leuten reden, mit den Höckes oder Petrys", so Schulz weiter. "Ein Mann, der das Holocaustmahnmal als Denkmal der Schande bezeichnet und eine Kehrtwende in der Erinnerungskultur verlangt, gehört nicht in ein deutsches Parlament", erklärte er im Hinblick auf den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke, der Ende Januar eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert hatte, da die deutsche Erinnerungskultur "nur noch deutsche Täter" kenne.

"Deutschland ist kein gerechtes Land"

Als zentrales Wahlkampfthema nannte der SPD-Politiker erneut gesellschaftliche Gerechtigkeit. "Deutschland ist kein gerechtes Land", betonte er. "Millionen Menschen fühlen, dass es in diesem Staat nicht gerecht zugeht. Unternehmensgewinne und Bonuszahlungen haben ebenso zugenommen wie die Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse." Er kenne die Probleme derer, "die hart arbeiten, die schuften müssen".

Im Hinblick auf die USA äußerte sich Schulz besorgt. Die Regierung unter Präsident Donald Trump spiele "mit der Sicherheit der westlichen Welt" und beginne aktuell einen Kulturkampf. "Wir sollten diesen Kampf selbstbewusst aufnehmen und sagen: Wir haben ein anderes Gesellschaftsmodell", sagte der künftige SPD-Parteichef. Es stehe nicht weniger auf dem Spiel, als "im 21. Jahrhundert Demokratie zu garantieren, die auf individuellen Grundrechten für alle beruht, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Rasse oder Religion."

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(KNA)
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