Martin Schulz: 6 Klartext-Momente vom SPD-Kanzlerkandidaten 2017

SPD-Kanzlerkandidat : Diese 6 Klartext-Momente von Martin Schulz sollten Sie kennen

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat in seiner politischen Laufbahn selten ein Blatt vor den Mund genommen – auch nicht bei heiklen Themen. Wir haben die denkwürdigsten Momente zusammengefasst.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat in seiner politischen Laufbahn selten ein Blatt vor den Mund genommen — auch nicht bei heiklen Themen. Wir haben die denkwürdigsten Momente zusammengefasst.

Nun steht es fest: Martin Schulz wird SPD-Kanzlerkandidat. Innenpolitisch ist er eher ein unbeschriebenes Blatt, doch auf europäischer Ebene hat er sich mehrfach deutlich positioniert. Von 2012 bis 2017 war er Präsident des Europäischen Parlaments, Mitglied ist er dort bereits seit 1994.

Rassismus im EU-Parlament: Martin Schulz wirft Abgeordneten aus Plenarsaal

1. Der Rauswurf eines griechischen Rechtsradikalen
Während einer Debatte um einen EU-Türkei-Gipfel im März 2016 hatte der griechische EU-Abgeordnete Eleftherios Synadinos "den Türken" als "Barbaren" und "Dreckskerl" beschimpft. "Der einzige effektive Weg, mit dem Türken umzugehen, ist mit der Faust und mit Entschlossenheit", sagte Synadinos von der rechtsextremen Partei "Goldene Morgenröte". Das ließ Schulz nicht auf sich sitzen, schloss den Abgeordneten aus. Er erkenne darin den Versuch, "den Rassismus hier salonfähig zu machen", sagte Schulz und fügte hinzu: "Mit mir nicht!" Am Ende mussten Saaldiener beim Rauswurf helfen; einem tobenden Parteifreund rief Schulz zu: "Und wenn Sie sich nicht beruhigen, kriegen Sie ein Beruhigungsmittel."

2. Die Unterstützung für Jan Böhmermann
Schulz hat immer wieder klare Worte im Umgang mit der Türkei und deren Präsident Recep Tayyip Erdogan gefunden, gerade wenn sich die Bundesregierung eher zurückhaltend gab. So etwa in der Debatte um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann. Im Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte er damals: "Es ist nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt. Wo kommen wir denn da hin? (...) Wir müssen Erdogan klarmachen: In unserem Land gibt es Demokratie. Ende."

3. Der Schlagabtausch mit Berlusconi
Im Jahr 2003 hatte Martin Schulz, damals noch einfaches EU-Parlamentsmitglied, gegen den damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ausgeteilt. "Sie sind nicht verantwortlich, Herr Ratspräsident, für die Intelligenzquotienten Ihrer Minister, aber verantwortlich für das, was die sagen, sind Sie schon", sagte er dem Italiener. Es folgten weitere Attacken — bis Berlusconi zurückschlug mit den Worten: "Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt." Kapos waren Häftlinge in Konzentrationslagern der Nazis, die zur Aufsicht über andere Gefangene eingesetzt wurden.


4. Der Tumult im israelischen Parlament
Als Schulz im Februar 2014 eine Rede in der Knesset hielt, kam es dort zu Tumulten und Beschimpfungen. Einige Abgeordnete der rechten Siedlerpartei verließen unter Protest den Saal, als Schulz den Siedlungsbau kritisierte. Zudem wurde er der Lüge bezichtigt wegen des Satzes: "Wie kann es eigentlich sein, dass ein Israeli 70 Liter Wasser am Tag benutzen darf, ein Palästinenser aber nur 17 Liter?" Das Problem: Schulz' Zahlen zum Wasserverbrauch stimmten tatsächlich nicht.


5. Die Spitze gegen Griechenlands Regierung
Schulz galt in der Griechenlandkrise als Strippenzieher und Vermittler hinter den Kulissen zwischen der EU und Athen. Doch hin und wieder platzte auch ihm der Kragen angesichts der mühevollen Verhandlungen — etwa in der Talkshow von Maybrit Illner im Juni 2015, als er in Richtung griechische Regierung sagte: "Die gehen mir mittlerweile gewaltig auf die Nerven", egal ob Finanzminister Varoufakis oder ein anderer.

6. Die Abschiedsrede aus dem EU-Parlament
Mit einem Plädoyer für ein geeintes Europa verabschiedete sich Schulz als Präsident von den Abgeordneten des Europaparlaments. "Überall auf diesem Kontinent machen sich die Spalter und die Ultranationalisten wieder breit, diejenigen, die Menschen gegeneinander hetzen", sagt Schulz in Straßburg. "Mit aller Kraft werde ich mich auch künftig gegen diesen Hass stellen, egal von welcher Stelle aus."

mit Material von dpa

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(das)
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