Wechsel in Rheinland-Pfalz Ministerpräsidentin Malu Dreyer tritt zurück

Update | Berlin · Schon länger wird spekuliert, ob Malu Dreyer bis zum Ende der Legislaturperiode 2026 Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz bleibt. Der Zeitpunkt des Wechsels kommt nun aber doch überraschend. So begründet sie ihren Rückzug.

Malu Dreyer:  Die amtierende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz im Porträt
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Das ist Malu Dreyer

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Foto: dpa/Harald Tittel

Deutlich vor der nächsten Landtagswahl 2026 gibt es in Rheinland-Pfalz einen Wechsel an der Regierungsspitze. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zieht sich in wenigen Wochen von ihrem Amt zurück, das sie seit 2013 innehat. Ihr Nachfolger soll der bisherige Landesminister für Arbeit und Soziales, Transformation und Digitalisierung, Alexander Schweitzer (SPD), werden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Regierungskreisen erfuhr.

Die SPD-Politikerin teilte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Mainz mit, dass sie zurücktreten werde. Zuvor hatten „Die Rheinpfalz“, der „Spiegel“ und „Die Zeit“ darüber berichtet.

„Ich gehe mit schwerem Herzen, weil ich nicht amtsmüde bin“, sagte Dreyer in Mainz. Sie habe feststellen müssen, dass ihre Kraft endlich sei. Sie habe die Energie nicht mehr so wie früher. „Meine Akkus laden sich leider nicht mehr so schnell auf“, sagte Dreyer. Die 63-Jährige hat Multiple Sklerose (MS) und geht offen damit um.

In den vergangenen Jahren seien viele Krisen aufeinandergetroffen, sagte die SPD-Politikerin weiter. Neben den Fluchtbewegungen seien das etwa die Corona-Pandemie und die „schlimmste Naturkatastrophe unseres Landes im Ahrtal“, sagte Dreyer. „Sie ist auch für mich eine schmerzhafte Zäsur, die auch mein Leben oder das Leben von mir in eine Zeit davor und danach unterteilt.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den angekündigten Rücktritt der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer „mit sehr großem Respekt“ zur Kenntnis genommen. Der Kanzler habe „größte Wertschätzung“ für Dreyer als Regierungschefin einer erfolgreichen Ampel-Koalition, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann am Mittwoch in Berlin. „Er schätzt sie sehr als verlässliche und volksnahe Politikerin, die sich nicht ohne Grund hoher Beliebtheit erfreut.“

Dreyers Ankündigung kommt anderthalb Wochen nach der Schlappe der Sozialdemokraten bei der Europawahl und den Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz. Dreyer hatte etwa zu Beginn dieses Jahres beim Neujahrsempfang in der Staatskanzlei noch gesagt, sie habe noch sehr, sehr viel vor. Und doch war schon seit Längerem über ihren Rückzug spekuliert worden. Als mögliche Nachfolger waren neben Schweitzer auch Innenminister Michael Ebling und die derzeitige Landtagsfraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (beide SPD) gehandelt worden.

Bätzing-Lichtenthäler wird nun Landesvorsitzende der SPD Rheinland-Pfalz, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr und zuvor die „Rheinpfalz“ berichtet hatte. Der bisherige Landeschef Roger Lewentz, der bei der Ahrtal-Flut Innenminister war und später zurücktrat, wird demnach aufhören.

Wochen der Entscheidungen in Rheinland-Pfalz

Nach Informationen der Tageszeitung „Rheinpfalz“ soll sich Schweitzer noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Landtag zur Wahl als Ministerpräsident stellen. Die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist turnusgemäß im Frühjahr 2026. Schweitzer hätte damit die Chance, bereits als profilierter Regierungschef in diese Wahl zu gehen.

Politikwissenschaftler Uwe Jun bescheinigte Dreyer am Mittwoch, einen guten Zeitpunkt für den Rücktritt gewählt zu haben. Knapp zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz habe ihr Nachfolger genug Zeit, sich in das Amt einzuführen, sagte Jun der dpa. Schweitzer trete in „sehr große Fußstapfen“. Es sei für ihn keine leichte Aufgabe, weil Dreyer sehr hohe Popularitätswerte habe.

Der aus dem südpfälzischen Landau stammende Schweitzer ist seit der Regierungsbildung nach der Landtagswahl 2021 wieder im rheinland-pfälzischen Kabinett vertreten. Der 50-Jährige war bereits in den Jahren 2013 und 2014 Minister gewesen, zwischenzeitlich war er dann Fraktionschef der SPD im rheinland-pfälzischen Landtag.

Künftiges Duell in Rheinland-Pfalz steht: Schweitzer gegen Schnieder

Mit dem nun angekündigten Rückzug der im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße geborenen Dreyer dürfte das in der Landespolitik künftig zentrale Duell stehen: Schweitzer gegen Gordon Schnieder von der CDU. Sowohl in der seit 1991 durchgängig im eigentlich strukturkonservativen Rheinland-Pfalz regierenden SPD als auch bei der Union hatte es immer wieder geheißen, dass nach der Europa- und Kommunalwahl auf die personelle Aufstellung für 2026 geschaut werden solle.

Bei der CDU war in der vergangenen Woche bekanntgegeben worden, dass Schnieder, der schon länger CDU-Fraktionschef im Landtag in Mainz ist, demnächst auch Chef der Landespartei werden soll. Der bisherige Amtsinhaber Christian Baldauf kündigte an, selbst nicht mehr anzutreten und Schnieder bei einer Sitzung des Landesvorstands am 9. Juli als seinen Nachfolger vorzuschlagen.

Die 63 Jahre alte Dreyer ist seit 2013 Regierungschefin in Rheinland-Pfalz. In dem Amt folgte sie damals auf Kurt Beck, führte zunächst eine rot-grüne Landesregierung an und seit 2016 eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP an, die – anders als die auf Bundesebene – weitgehend geräuschlos agierte. Es ist im politischen Mainz ein offenes Geheimnis, dass Dreyer mit vielen Gesprächen einen wesentlichen Teil dazu beiträgt.

(zim/kag/Reuters/dpa)