Ehefrau des Altkanzlers: Maike Kohl-Richter schießt Giftpfeile gegen die CDU

Ehefrau des Altkanzlers: Maike Kohl-Richter schießt Giftpfeile gegen die CDU

In einem mehrseitigen Interview bricht die zweite Ehefrau des "Kanzlers der Einheit" und "Ehrenbürgers Europas" ihr Schweigen zu allerlei Anfeindungen ihrer Stiefsöhne und bleibender politischer Gegner des Riesen im Rollstuhl.

Stiefmütter, das wissen wir nicht allein aus Märchen, haben es im Familienverbund nicht leicht. Maike Kohl-Richter, die zweite Ehefrau des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (1982-1998) ist Stiefmutter - ungeliebt mit Sicherheit, gehasst mit hoher Wahrscheinlichkeit von Walter und Peter Kohl, den mittelgroßen Söhnen eines politischen Riesen. Der ist als pflegebedürftiger 84-Jähriger gleichsam schon bei lebendigem Leib in die Geschichte eingegangen.

Nach einem Sturz im Ludwigshafener Haus und lebensbedrohendem Schädel-Hirn-Trauma 2008 sitzt der alte Riese überwiegend im Rollstuhl, und das exakte Artikulieren fällt ihm schwer. Also redet seine um 34 Jahre jüngere Ehefrau - durchaus eindrucksvoll, eindringlich in einem mehrseitigen Interview mit der "Welt am Sonntag". Über die Stiefsöhne Walter und Peter verliert die Stiefmutter kein Wort.

Wo doch eigentlich Peter Kohls bitterböser Satz von 2013 an die Adresse der Verhassten eine frühere Antwort der Stiefmutter nötig gemacht hätte. Der Stiefsohn hatte zur Hochzeit seiner Stiefmutter mit dem Vater dies gesagt und dabei auch für den älteren Bruder Walter gesprochen: "Ich denke, dass mein Vater nicht die Absicht hatte, diese Frau zu heiraten, nicht vor seinem Unfall." Dem Peitschenhieb folgte ein Dolchstoß: "Aber dann kam eben der Unfall - und in gewisser Weise ein Kontrollverlust."

Helmut Kohl - auch jetzt noch bei geistiger Kraft, wie Besucher berichten - ein Mann, der nicht mehr weiß, was er tut, der nicht bei Sinnen war, als er Maike Richter in der Kapelle der Reha-Klinik Heidelberg zu Maike Kohl-Richter machte?

Späte Reaktion

Die zweite Ehefrau reagiert spät, sehr spät, und sie sieht das ganz anders. Sie zeichnet das Bild einer harmonischen ehelichen Gemeinschaft zweier Menschen, die trotz gewaltigen Altersunterschiedes einander lieben und schätzen gelernt haben; zweier Menschen, von denen der eine sagt: "Ohne Maike wäre ich nicht mehr am Leben" und die andere feststellt: "Wissen Sie, ich hatte bei dem Unfall genau zwei Möglichkeiten, dazwischen gab es nichts: Ich bleibe, oder ich laufe weg. Ich bin geblieben, weil ich meinen Mann liebe, ich würde es immer wieder tun."

  • Fotos : Auf einen Drink bei Helmut Kohl

Maike Kohl-Richter, die diplomierte Volkswirtin mit Prädikatsexamen und Stipendium, macht im Gespräch zwar Schluss mit dem hübschen Schmäh, wonach sie schon als Siegerländer Teenager ihr Mädchenzimmer mit Fotos und Postern des nach Konrad Adenauer und neben Willy Brandt bedeutendsten Bundeskanzlers dekoriert habe. Aber sie zitiert den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton (1993-2001) und dessen Berliner Diktum von 2011, wonach er Kohl für den wichtigsten europäischen Staatsmann nach dem Zweiten Weltkrieg halte.

Wenn es ums Politische, ums Christdemokratische, um den Umgang von Spitzen-CDU'lern mit dem "Kanzler der Einheit" und "Ehrenbürger Europas" geht, blitzt bei Maike Kohl-Richter neben Ehefrauen-Liebe die Lust auf, Giftpfeile zu schießen. Ihrem Mann, der mit der persönlich uneigennützigen Annahme von anonym gebliebenen Spenden für die Union einen Fehler gemacht habe, sei Unrecht widerfahren: "Der Umgang mit meinem Mann war gemessen an dem Fehler, den er gemacht hat, unverhältnismäßig und falsch." Es folgt eine Breitseite gegen nicht namentlich genannte CDU-Granden, die ab 2000 als einst furchtsame Hasen und Häsinnen den verwundeten alten Löwen an der Mähne zupften: "Die Partei hat aus ihrem Verhalten selbst am meisten Schaden genommen. Sie hätte Helmut Kohl besser in der Mitte der Partei gelassen."

Treue Kämpferin

Maike Kohl-Richter entpuppt sich auch als beinahe lebenslang treue Kämpferin für eine bürgerliche Politik der Mitte mit zornigem Blick auf Gegner im linken Spektrum. Die SPD, so berichtet die von ihrem Ehemann testamentarisch beauftragte politische Sachwalterin, habe in Rechenschaftsberichten ihr Vermögen um 940 Millionen D-Mark zu niedrig ausgewiesen. Soll heißen: Kohls Verschweigen der Spenden in Höhe von 2,1 Millionen D-Mark sei ein Klacks in dem Parteien-Evergreen: So machen's alle.

Maike Kohl-Richter erzählt, dass sie ihren Mann gelegentlich frage, warum er ihr so vertraue. Daraufhin sage er ihr immer wieder diesen Satz: "Weil du du bist." Man glaubt, Maike Kohl-Richter jetzt ein wenig besser zu kennen: als eine Frau aus Siegerländer Eisenerz, mit Herzenswärme - aus genau dem Mix nach dem Geschmack des öffentlich weitgehend sprachlosen Riesen im Rollstuhl.

(RP)