Geheimdienst kämpft um Existenzberechtigung: MAD zeigt seine Welt mit einem Comic

Geheimdienst kämpft um Existenzberechtigung: MAD zeigt seine Welt mit einem Comic

Wegen der NSU-Affäre stehen die deutschen Geheimdienste auf dem Prüfstand. Mancher Politiker will etwa den Militärischen Abschirmdienst MAD abschaffen. Der gibt sich nun offener denn je – und versucht mit einem Comic, seine Wichtigkeit zu demonstrieren.

Wegen der NSU-Affäre stehen die deutschen Geheimdienste auf dem Prüfstand. Mancher Politiker will etwa den Militärischen Abschirmdienst MAD abschaffen. Der gibt sich nun offener denn je — und versucht mit einem Comic, seine Wichtigkeit zu demonstrieren.

"Wenn du mir hilfst, können wir sehr schnell viel Geld verdienen", sagt die barbusige Blondine. "Ich meine, richtig viel Geld...! Genug, um zusammen ein neues Leben zu beginnen", fügt die feindliche Agentin hinzu. Es ist eine Szene aus einem Comic, der dort erschienen ist, wo ihn wohl nur wenige erwartet haben: Im Y-Magazin der Bundeswehr.

Unter dem Titel "Die Welt des MAD — der Militärische Abschirmdienst passt auf" wird in dem Magazin erklärt, was der Geheimdienst denn so alles tut. Mitarbeiter kommen — mit geänderten Namen — zu Wort. Einer etwa wird mit den Worten zitiert: "Es ist nicht James-Bond-like. Wir fahren nicht in tollen Autos mit schönen Frauen durch die Gegend und lösen den Fall bei einem Martini." "Wenn wir ermitteln", sagt ein anderer, "benötigen wir sehr viel Fingerspitzengefühl.

Es ist eine Offenheit, die kaum einer kennt vom MAD, der sich sonst so verschwiegen gibt. Doch in den vergangenen Wochen geriet der Dienst ins Visier der Politik im Zusammenhang mit der Verfassungsschutz-Affäre rund um die rechtsradikale Terrorgruppe NSU. Konkret geht es um die "Operation Rennsteig", bei der V-Leute für den Verfassungsschutz angeworben werden sollten, und wobei im Nachhinein einige Akten vernichtet worden waren. Auch der MAD war daran beteiligt.

"Die guten Agenten des MAD"

Genau deshalb hatte die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erklärt: "In dieser Form brauchen wir den MAD nicht mehr." Inzwischen sind zwar keine weiteren Forderungen nach einer Abschaffung laut geworden, doch der Umbau der Ämter steht noch bevor. Und so tut der Abschirmdienst offenbar einiges, um seine Wichtigkeit hervorzuheben.

Der Schwarz-Weiß-Comic, in dem die Arbeit des MAD dargestellt wird, trägt den auch den Titel "Die guten Agenten des MAD", geschaffen vom Hamburger Illustrator Niklas Hughes. Imagepflege der ganz besonderen Art. So wird etwa gezeigt, wie ein Soldat rechtsextreme Musik hört und der MAD dagegen vorgehen muss.

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Genau das ist auch die eigentliche Aufgabe des Abschirmdienstes: Jegliche extremistische Tendenzen von der Bundeswehr fernzuhalten. Er gibt auch Empfehlungen zum Schutz der Bundeswehr-Liegenschaften und überprüft etwa in Afghanistan die einheimischen Arbeitskräfte in den Feldlagern der Bundeswehr, um das Risiko von Anschlägen zu verringern.

All das aber ist der Öffentlichkeit kaum bekannt, denn nur selten war etwas von dem Dienst zu vernehmen. Er gilt sogar als der Geheimste der Geheimdienste. Das aber will deren Präsident, Karl-Heinz Brüsselbach. nicht gelten lassen.

MAD-Präsident: "Wollen uns nicht verstecken"

Brüsselbach gibt dem Y-Magazin ein seltenes Interview und sagt darin: "Wir wollen uns ja nicht verstecken, unsere Öffentlichkeit ist die Bundeswehr." Jährlich halte man hunderte Vorträge, und man stehe mit seiner Arbeit auch im Verfassungsschutzbericht.

"Der MAD ist damit nicht der Geheimste der Geheimdienste, sondern womöglich sogar der offenste Dienst." Geheim an der Arbeit sei nur, wann, wo, wie lange und mit welchen Mitteln man Informationen erhebe. "Und geheime Dinge sollten geheim bleiben", so Brüsselbach in dem Interview mit dem Y-Magazin. Und Brüsselbach sagt, der Bundeswehr würde ohne den MAD etwas fehlen.

Ob dies die Politik auch so sieht, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. Denn Innenminister Hans-Peter Friedrich hatte wegen der Aktenvernichtung im Zusammenhang mit der NSU-Affäre angekündigt, den Verfassungsschutz gründlich überprüfen zu wollen. Und das schließt den MAD mit ein.

(das)
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